XV - 1.4.3 Karlfried Graf Dürckheim - Licht und Schatten [Karlfried Graf Dürckheim - Light and Shadow] Ludger Rieger
Zusammenfassung
Der Artikel gibt einen Überblick über Leben und Lehre von Karlfried Graf Dürckheim. Er gilt als einer der Pioniere der transpersonalen Psychotherapie und hat eine wichtige Rolle dabei gespielt, Zazen nach Deutschland und Europa zu bringen. Erst kurz vor seinem Tod wurde bekannt, dass er überzeugter Nationalsozialist und Antisemit war. In diesem Artikel wird versucht, sowohl Licht als auch Schatten dieser Person darzustellen, die durch den Aufbau der Existenzial-psychologischen Bildungs- und Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte (gemeinsam mit Maria Hippius) und eine produktive schriftstellerische Tätigkeit sowie diverse Vorträge wie kaum eine andere großen Einfluss auf spirituell suchende Menschen hatte. So bleiben in der Auseinandersetzung mit Karlfried Graf Dürckheim immer wieder Faszination und Befremden.
Schlagwörter: Zazen, Initiatische Therapie, doppelter Ursprung des Menschen, NS-Mystik
Summary
This article provides an overview of the life and teachings of Karlfried Graf Dürckheim. He is considered one of the pioneers of transpersonal psychotherapy and played an important role in bringing zazen to Germany and Europe. It only became known shortly before his death that he was a convinced National Socialist and anti-Semite. This article attempts to portray both the light and the shadow of this person who, through the establishment of the existential-psychological education and meeting place Todtmoos-Rütte (together with Maria Hippius) and a prolific writing career as well as various lectures, had a great influence on spiritual seekers like no other. Thus, when dealing with Karlfried Graf Dürckheim, fascination and bewilderment always remain.
Submitted December 01, 2023, and accepted for publication April 01, 2024 Editor: Martin Rötting
Keywords: Zazen, Initiatic therapy, double origin of man, NS-Mystic
1 Die Lebensleistung
„Karlfried Graf Dürckheim (vollständiger Name: Karl Friedrich Alfred Heinrich Ferdinand Maria Graf Eckbrecht von Dürckheim-Montmartin) (* 24. Oktober 1896 in München; † 28. Dezember 1988 in Todtmoos im Schwarzwald) war ein deutscher Diplomat, Psychotherapeut und Zen-Lehrer.“1
Er ist vielen Menschen durch den Aufbau der Existenzial-psychologischen Bildungs- und Begegnungsstätte Todtmoos-Rütte, die Entwicklung der Initiatischen Therapie und als Autor zahlreicher spiritueller Bücher und Vortragsredner bekannt. Er gilt als einer der Gründerväter der transpersonalen Psychotherapie und als zentrale Figur, die Zazen in den Westen gebracht hat.
_1.1 Buchautor_
In seinen Büchern behandelt Dürckheim Themen, die seine eigene Entwicklung und Auseinandersetzung etwa mit dem Zen-Buddhismus spiegeln und zeigen, wie er das Thema Moderne und Ich-Entwicklung verarbeitet hat.
Mehrere seiner bekannten Bücher wurden bereits in den ersten zehn Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben und seitdem immer wieder nahezu unverändert aufgelegt. Hierzu gehören „Japan und die Kultur der Stille“ und „Hara - Die Erdmitte des Menschen“. Sie stellen Japan und seine Kultur als vorbildlich für den westlichen Menschen dar, der in der Sicht Dürckheims von sich und seinen spirituellen Wurzeln entfremdet ist, dies insbesondere durch die Rationalisierung, Modernisierung und Technisierung der Neuzeit.
_1.2 Spirituelle Erfahrungen_
Dürckheim knüpft in seinen Büchern an eigene spirituelle Erfahrungen an. Er unterscheidet dabei zwischen Seinsfühlungen und Seinserfahrungen . Seinsfühlungen sind die
Augenblicke und Stunden, in denen wir uns unerwartet in einen besonderen Zustand versetzt finden, worin, von uns unverstanden, das Sein uns berührt. Ganz plötzlich ist uns eigenartig zumute. Wir sind ganz gegenwärtig, ganz da - und doch nicht auf etwas Bestimmtes gerichtet. Wir
fühlen uns in eigentümlicher Weise „rund“, in uns „geschlossen“ und doch zugleich in einer Weise geöffnet, in der sich eine große Fülle auftut.2
Seinserfahrungen sind
beglückende Erfahrungen der Befreiung, oft hervorgehend aus uns an die Grenze treibender größter Not.3
Dürkheim beschreibt in seinen Büchern zwei eigene Seinserfahrungen, die diese Qualität haben. Als Soldat im Ersten Weltkrieg kam es bei ihm zur Erfahrung des Todlosen angesichts lebensbedrohlicher Momente. Für ihn war diese Erfahrung eng verknüpft mit dem selbstlosen Dienst am Vaterland.
Indem man …
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Der vollständige Artikel umfasst 34 Seiten
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