Höver, Franz Böckle

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Franz Böckle Von Gerd Höver Franz Böckle war von 1963 bis 1986 Professor an der Rheinischen-FriedrichWilhelms-Universität Bonn und zählt zu den bedeutenden, weit über den deutschen Sprachraum hinaus wirkenden Theologen seiner Zeit. Franz Böckle wird am 18. April 1921 im schweizerischen Glarus geboren. Nach seiner Matura 1941 studiert er Theologie am Priesterseminar St. Luzi in Chur und wird 1945 zum Priester geweiht. Während seiner Kaplanszeit in Zürich-Wollishofen kommt er in Kontakt mit der „Studiengemeinschaft“ des katholischen Theologen Hans Urs von Balthasar (1905 - 1988) ; die dortige Begegnung mit der modernen protestantischen Theologie prägt sein weiteres Denken und lässt ihn Zeit seines Lebens zu einem engagierten Vertreter des ökumenischen Dialogs werden. 1950 begibt er sich auf Weisung des Churer Bischofs Christianus Caminada (1876 - 1962) zum Weiterstudium nach Rom. Während der Zeit seiner Promotion ist er als Krankenhausseelsorger tätig; die dort erfahrene Distanz zwischen Morallehre und den medizin-ethischen Herausforderungen vor Ort lassen ihn, so sagt er rückblickend, „den praktischen Fragen der Ärzte gegenüber eine bittere Hilflosigkeit spüren. Was ich da zu sagen hatte, waren keine Antworten auf ihre Fragen und schon gar keine aus christlichem Geist erwachsene Entscheidungshilfen für die ihnen anvertrauten Patienten. Diese Erfahrung am Start meiner Laufbahn war ungemein prägend für meine weitere Entwicklung. Es war mir klar: Moral macht man nicht von oben. Sittliche Erkenntnis wächst aus dem Bemühen um eine umfassend menschliche Antwort auf konkrete Herausforderungen des Lebens. Diesen Weg suchte ich fortan im Ganzen meiner moraltheologischen Arbeit zu gehen. Damals wurde der Grundstein gelegt für jene Renovationsarbeiten am Gebäude der Moraltheologie, die ich zeitlebens verfolgte.“1 Da damals an eine Lehrtätigkeit im Fach Moraltheologie noch gar nicht gedacht war, befasst sich Böckle auf Anregung Hans Urs von Balthasars in seiner Dissertation mit einem bibeltheologischen Thema: „Die Idee der Fruchtbarkeit in den Paulusbriefen“.2 1952 beauftragt ihn sein Bischof, den Lehrstuhl für Moraltheologie am Churer Priesterseminar zu übernehmen. Böckle ist nach seinen eigenen Worten regelrecht schockiert, ein Fach dozieren zu sollen, das er zumindest in Gestalt der damaligen neuscholastischen Lehrbücher nicht wirklich studiert habe. Obwohl er durch den seinerzeit bedeutenden Dominikaner Réginald Garrigou-Lagrange (1877 - 1964) mit der Theologie des Thomas von Aquin bestens vertraut gemacht und durch die Lektüre der Summa Theologiae zeitlebens geprägt worden war, erbittet sich Böckle zunächst ein Jahr Vorbereitungszeit am Lehrstuhl für Moraltheologie in München und wird Assistent bei Richard Egenter (1902 - 1981). Die damalige wertphilosophisch und psychologisch orientierte deutsche Moraltheologie spricht ihn jedoch theologisch nicht an, vielmehr bildet er seine theologische Orientierung im ökumenischen Gespräch insbesondere mit Karl Barth (1886 - 1968) und Emil Brunner (1889 - 1966) weiter aus. Im Herbst 1953 tritt er sein neues Amt als Professor für Moraltheologie an, das ihm einen geringen Verdienst von etwa 300 SFr. monatlich, dafür aber eine enorme Arbeitsbelastung einbringt, zumal er wie damals üblich auch das Fach der Sozialethik mit zu übernehmen und die Lehre selbstverständlich in lateinischer Sprache durchzuführen hat. Böckle hat jedoch seine Schweizer Jahre trotz aller Einschränkungen als eine erfüllte Zeit bezeichnet. Seine Überzeugung, dass Theologie ohne Seelsorge leer ist, hat ihn dabei wesentlich geprägt. In seiner Kaplanszeit als Jugendseelsorger für die gesamte Schweiz verantwortlich, gewinnt er eine besondere Nähe für die Fragen und Sorgen junger Menschen. Dieser besondere Kontakt zur Jugend ist stets lebendig geblieben, und so ist es ihm auch später ein Anliegen, am Carl-von-Ossietzky-Gymnasium Bonn einmal wöchentlich eine Stunde Religionsunterricht zu geben. Durch seine Vortrags- und Publikationstätigkeit, insbesondere als Mitherausgeber und Autor des Standard setzenden Werkes „Fragen der Theologie heute“3 weit über die Schweiz hinaus bekannt geworden, wird er 1963 auf den Lehrstuhl für Moraltheologie nach Bonn berufen. Seine Öffentlichkeits- und Kommissionsarbeit auf allen Ebenen von Kirche, Gesellschaft und Politik wird zum Signum seines Wirkens und lässt ihn zu einem maßgeblichen Erneuerer der Moraltheologie werden. Er beginnt in dieser Zeit eine neue Konzeption theologischer Ethik zu entwickeln, welche die Verantwortung des Menschen nicht nur vor, sondern auch für Normen im Sinne sittlicher Institutionen in den Mittelpunkt rückt. Böckles Hauptwerk, die „Fundamentalmoral“ aus dem Jahre 1977, ist die wissenschaftliche Darlegung seines Verständnisses von Moraltheologie, nämlich Auslegung des Glaubens im Medium der Ethik zu sein. Es ist die Grundlage einer differenzierten Argumentationsfähigkeit, die Sachund Sinneinsicht in den unterschiedlichsten Lebens- und …
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