Unser, Lerneffekte durch interreligiöses Lernen

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**XIV - 5.1.2.6 Lerneffekte durch interreligiöses Lernen** _**[Learning Effects of Interreligious Learning]**_ ALexAnder unser Zusammenfassung Das interreligiöse Lernen ist eine spezifische Lernform des Religionsunterrichts, die sehr ambiti onierte Lernziele verfolgt. Neben der Aneignung grundlegenden Wissens über verschie dene Religionen sollen Schülerinnen und Schüler dazu befähigt werden, die Perspektive andersgläubiger Menschen einzunehmen und in interreligiösen Situationen angemessen zu handeln. Darüber hinaus sollen Vorurteile und Stereotype abgebaut und positive Einstellungen gegenüber Angehörigen anderer Religionen verstärkt werden. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über aktuell vorliegende Wirksamkeitsstudien zum interreligiösen Lernen und diskutiert anhand deren Befunde, welche Aussagen wir derzeit über Lerneffekte durch interreligiöses Lernen treffen können. Schlagwörter: interreligiöses Lernen, Wirksamkeit, Lerneffekte, empirische Unterrichtsforschung, Religionspädagogik Summary Interreligious learning is a specific form of learning in religious education that pursues very ambitious learning goals. In addition to acquiring basic knowledge about different religions, students should be enabled to take the perspective of people of other faiths and to act appropriately in interreligious situations. Furthermore, prejudices and stereotypes should be reduced and positive attitudes towards members of other religions should be strengthened. This article provides an overview of current studies on the effectiveness of interreligious learning and discusses, on the basis of their findings, what conclusions can currently be drawn about the learning effects of interreligious learning. Submitted May 10, 2022, and accepted for publication August 18, 2022 Editor: Thorsten Knauth Keywords: interreligious learning, learning effects, empirical classroom research, religious education 1 Interreligiöses Lernen und damit verbundene Lernziele Mit dem Begriff interreligiöses Lernen wird im deutschsprachigen Raum eine spezifische Lernform des Religionsunterrichts bezeichnet, in deren Mittelpunkt die Auseinandersetzung mit anderen Religionen (im Sinne einer Unterscheidung von der Eigenreligion des kon fessionellen Unterrichts oder der bzw. des Lernenden), ihren Lehren, Symbolen, Bräuchen und Gläubigen steht. Programmatisch setzt sich das interreligiöse Lernen von einer rein religionskundlichen Behandlung der Weltreligionen ab.1 Stattdessen soll die Auseinander setzung mit anderen Religionen bei den Schülerinnen und Schülern auch zu Reflexionen über den eigenen religiösen bzw. weltanschaulichen Standpunkt führen.2 Verbunden damit ist die Vorstellung, dass das interreligiöse Lernen sowohl einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt als auch zur individuellen Identitätsbildung leiste.3 Der gesellschaftliche Zielhorizont wird vor dem Hintergrund einer zunehmenden religiösen Pluralisierung formuliert: Da sich in unserer heutigen Gesellschaft Individuen mit unterschied lichen religiösen Vorstellungen, Traditionen, Werten und Symbolsystemen begegnen und das Zusammenleben ausgehandelt und gestaltet werden müsse, gehöre es zum Bildungsauftrag der Schule, Schülerinnen und Schüler darauf vorzubereiten, in einer religiös pluralen Gesellschaft leben und diese mitgestalten zu können. Dies schließe die Notwendigkeit ein, Fähigkeiten der Perspektivenübernahme, des Verstehens fremdreligiöser Traditionen und der Kommunikation zu erlernen.4 Auch der individuelle Zielhorizont nimmt die religiös plurale Gesellschaft als Ausgangspunkt, betont aber die „Orientierungsbedürfnisse junger Menschen“.5 Religiöse Pluralität erzeuge nämlich aufseiten des Individuums existenzielle Fragen nach dem richtigen und guten Leben, nach Sinn und nach Wahrheit,6 weshalb der Religionsunterricht Schülerinnen und Schüler bei der Klärung dieser existenziellen Fragen unterstützen müsse. Erst dann werde er seinem Auftrag gerecht, dazu zu befähigen, den eigenen religiösen bzw. weltanschaulichen Standpunkt zu reflektieren und weiterzuentwickeln.7 Sowohl der gesellschaftliche als auch der individuelle Zielhorizont müssen anhand konkreter Lernziele operationalisiert werden, um Lehr-Lern-Prozesse im Religionsunterricht effektiv planen und steuern zu können. In der Diskussion um das interreligiöse Lernen lassen sich fünf solcher Lernziele identifizieren, die als allgemein anerkannt gelten können.8 Erstens sollen sich Schülerinnen und Schüler grundlegendes Wissen über andere Religionen aneignen und zum Verstehen der für diese Religionen einschlägigen Konzepte befähigt werden. Ein solches deklaratives Wissen wird gemeinhin als notwendige Grundlage für das Erreichen weiterer Lernziele und für den Aufbau interreligiöser Kompetenz angesehen. Zweitens sollen Schülerinnen und Schüler die Fähigkeit erlangen, (inter-)religiöse Sachverhalte sowohl aus der Eigenperspektive als auch aus …
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