**XIII - 14.2 Das Projekt einer Theologischen Zoologie** _**[Theological Zoology]**_
Von Rainer Hagencord
Zusammenfassung
Wir sind verwandt mit allem, was lebt: Die Theologische Zoologie lehrt, das menschenzentrierte Weltbild zu ĂŒberwinden. Die herkömmliche Sicht, dass allein fĂŒr den Menschen die Welt geschaffen wurde, dass Tier und Natur lediglich eine âschöne Kulisseâ darstellen, wird auch von Papst Franziskus in seiner 2015 veröffentlichten Enzyklika âLaudato siââ deutlich als âfehlgeleiteter Anthropozentrismusâ benannt. Franziskus rĂ€umt ein, dass ein falsches VerstĂ€ndnis der biblischen Worte âMacht Euch die Erde untertanâ zu dieser Weltsicht beigetragen haben könnte. Richtiger sei es, den Menschen als âverantwortlichen Verwalterâ der Schöpfung zu verstehen. Es gibt keine theologische Legitimation fĂŒr den Menschen, Tiere und Natur als âRessourcenlagerâ zu nutzen.
Die WĂŒrde der Tiere und mit ihnen die gesamte natĂŒrliche Mit-Welt wahrzunehmen ist das zentrale Anliegen der Theologischen Zoologie. FĂŒr eine bedeutsame Ăkologie fordert sie einen Wechsel des Blickwinkels vom Tier als einer vom Menschen abgetrennten âSacheâ hin zu einem mit dem Menschen verbundenen Mitgeschöpf, das eine wichtige Botschaft ĂŒber die Schöpfung vermittelt, in deren Gesamtheit sich Gott ausdrĂŒckt.
Das Projekt der Theologischen Zoologie versteht sich als interdisziplinÀr und interreligiös.
Der Beitrag stellt das ITZ als Institut vor, das auf drei Standbeinen ruht: âWissenschaft und Forschungâ, âPĂ€dagogik und Katecheseâ sowie âProjekte und Kooperationenâ.
Schlagwörter: Verwandtschaft alles Lebendigen, Enzyklika âLaudato siââ, Schöpfung, WĂŒrde der Tiere, Arbeit des ITZ
_**Editor: Udo Tworuschka**_
Summary
We are related to every living being: Theological Zoology teaches us to overcome a human-centric view of the world. The traditional view that our world has been created for mankind only, whereas animals and nature, in general, merely serve as a âbeautiful backgroundâ, has also been clearly criticized as âmisguided anthropocentrismâ by Pope Francis in his encyclical âLaudato siââ, published in 2015.
Francis concedes that a wrong understanding of the biblical appeal to man âto subdue the earthâ might have led to this view of the world. âInstead, our âdominionâ over the universe should be understood more properly in the sense of responsible stewardshipâ (LS 116). There is no theological legitimacy at all for mankind to exploit animals and nature as mere resource pools.
Perceiving the natural dignity of animals, as well as the importance of the entire world surrounding us as a connatural world (Mit-Welt), and not only as environment (Um-Welt), is the central concern of Theological Zoology. Ecology can only be effective, according to Theological Zoology, if there is a change in our point of view towards animals, away from the view of animals as âthingsâ separated from man, and towards a realization that they are fellow creatures, closely connected with man, and communicating an important message: God expresses himself in the entire creation. Theological Zoology regards itself as an interdisciplinary and interreligious project. The article introduces an institute based on three pillars: âscience and researchâ, âpedagogics and catechesis,â as well as âprojects and cooperationâ.
Keywords: Theological Zoology; theology facing the animal; Bible-oriented Zoology; connection of theology and behavioural science; interdisciplinary; interreligious; relationships amongst all living things; nature and animals; recognition of animals nature; misguided anthropocentrism; overcoming a human-centric view of the world; âCrown of Creationâ; âto subdue the earthâ; encyclical âLaudato siââ; Pope Francis; creation/conservation of creation; connatural world (Mit-Welt); dignity of animals; fellow creature; ecology; variety of species; Institute of Theological Zoology (ITZ)
âMit zunehmender Erkenntnis werden die Tiere den Menschen immer nĂ€her sein. Wenn sie dann wieder so nahe sind wie in den Ă€ltesten Mythen, wird es kaum mehr Tiere geben.â (Elias Canetti)
1 Papst Franziskusâ âLaudato siââ
In der Kirchengeschichte passiert es 2015 vermutlich zum ersten Mal, dass sich in einer Verlautbarung auch Pilze, Algen, WĂŒrmer, Insekten, Reptilien und die unzĂ€hlige Vielfalt von Mikroorganismen tummeln. Und tatsĂ€chlich ist es die Enzyklika âLaudato Siââ von Papst Franziskus, der durch dieses Lehrschreiben seinem Namen alle Ehre macht.1
Von der Geschwisterlichkeit alles Lebendigen ist dort immer wieder die Rede; und dies nicht mit einer Tendenz zur romantischen VerklĂ€rung. Vielmehr bringt der Text âŠ
âïž Ende der Leseprobe âïž
Der vollstÀndige Artikel umfasst 14 Seiten
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