Grünhagen, Buddhistische Bestattungen in Deutschland

📖 Leseprobe – 2 von 16 Seiten
Buddhistische Bestattungen in Deutschland Von Céline Grünhagen Der Umgang mit der Endlichkeit des Seins und der Unausweichlichkeit des Todes ist ein anthropologisches Grundproblem. Indem sie den Übergang des bzw. der Sterbenden beziehungsweise der Hinterbliebenen in Jenseitsvorstellungen und Bestattungsriten einbetten, wirken religiöse Traditionen hier kompensierend. Mithilfe der Bestattungspraktiken werden alle Beteiligten rituell durch diese Phase der Trennung geleitet. Zudem wird ihnen häufig eine ausschlaggebende Wirkung auf die Existenz im Jenseits bzw. auf eine zukünftige Wiedergeburt zugesprochen. Insgesamt kommt den Bestattungsriten dadurch eine hohe Bedeutung bei der Wahrung der gesellschaftlichen wie auch der kosmischen Ordnung zu.1 Vor diesem Hintergrund ist ein religiöses Beharren auf traditionellen Bestattungspraktiken nachvollziehbar. Als elementare Bestandteile des religiösen Weltbildes und der Religionsausübung wollen Gläubige auch in der Diaspora nicht auf ihre angemessene Ausführung verzichten. Die Thematik der Umsetzung nichtchristlicher Bestattungen in Deutschland und insbesondere der Konflikte, die dabei auftreten können, ist im Zusammenhang mit muslimischen Mitbürgern bereits häufiger diskutiert worden.2 Andere religiöse Gemeinschaften zeigen weniger Medienpräsenz diesbezüglich, was aber nicht bedeutet, dass ihnen derartige Probleme fremd sind. Auch buddhistische Einwanderer in Deutschland, die im Fokus der vorliegenden Betrachtung stehen sollen, stoßen auf rechtliche und praktische Schwierigkeiten. Im Folgenden sollen mögliche Einschränkungen, bereits aufgetretene Konflikte und Lösungsansätze vorgestellt werden. Deutsche und asiatische Buddhisten in Deutschland Buddhistische Bestattungsriten und -praktiken können sich je nach regionaler Ausprägung stark unterscheiden; auch die Jenseitsvorstellungen weisen Variationen auf.3 Zudem müssen in Deutschland Buddhisten asiatischer und deutscher Herkunft unterschieden werden. Die Schätzungen bezüglich der Gesamtzahlen der Buddhisten in Deutschland und ihrer jeweiligen Herkunft sind nicht eindeutig. Die Deutsche Buddhistische Union e. V. (DBU) geht von insgesamt 250.000 Buddhisten aus, wobei sich diese aus 130.000 deutschen und 120.000 asiatischen Buddhisten zusammensetzen.4 Der Buddhistische Dachverband Diamantweg e. V. schätzt hingegen weit großzügiger auf bis zu 250.000 Buddhisten, die aus asiatischen Ländern stammen und zusätzlichen 80.000 bis 100.000 deutschen Buddhisten. Damit kommt er auf eine Gesamtzahl von bis zu 350.000 Buddhisten in Deutschland.5 Wenn auch teils Kooperationen und gemeinsame Veranstaltungen zu beobachten sind, praktizieren deutsche und asiatische Buddhisten ihre Religion in der Regel getrennt voneinander. Dies beruht auf regionalen Ausprägungen des Buddhismus und daraus resultierenden inhaltlichen Diskrepanzen, sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten und vor allem auf erheblichen kulturbedingten Wertedifferenzen. Seit der frühesten Rezeption des Buddhismus in Deutschland und seiner zunehmenden Verbreitung (siehe auch Usarski in HdR, Kap. VII - 2.1-2.4.) hat dieser unter deutschen Konvertiten eine ganz andere Form angenommen als seine traditionellen asiatischen Ausprägungen. Zwar sehen sich die deutschen Gruppen in legitimer Nachfolge zu den buddhistischen Traditionslinien, mit denen sie sich assoziieren, allerdings beinhaltet die Rezeption des Buddhismus in Deutschland (beziehungsweise im Westen) in der Regel eine intellektuelle Betonung buddhistischer Lehrinhalte sowie Praktiken, die der Selbstfindung und Selbsterfahrung dienen, wie zum Beispiel die Meditation. Konsequenterweise fehlen traditionelles Volksbrauchtum, Geisterglaube und Ahnenverehrung, die in vielen asiatischen Ländern mit den buddhistischen Lehren und Praktiken verschmolzen sind und dem Buddhismus dadurch sein vielgestaltiges Auftreten geben.6 Vorüberlegungen zu einer buddhistischen Bestattungskultur in Deutschland Deutsche Buddhisten weisen in Bezug auf die vorherrschende Bestattungskultur in der Regel keine Assimilationsprobleme auf, da sie unter den gegebenen Umständen aufgewachsen sind; traditionelle Begräbnispraktiken asiatischer Buddhisten sind ihnen fremd. Die asiatisch-buddhistische Bestattungskultur lässt sich auf deutsche Buddhisten nicht übertragen. Die Begräbnisfeiern werden zumeist recht individuell von Familienangehörigen und Freunden geplant. Dabei werden christliche beziehungsweise säkulare Bräuche mit buddhistischen Inhalten verknüpft, sodass sie passende Versionen der Rituale bilden. Zudem hat sich mit der Säkularisierung auch eine konfessions- und kirchenungebundene Bestattungskultur entwickelt, die einen geeigneten Rahmen bildet. In vielen Fällen werden die Zeremonien von einem buddhistischen Laien und nicht von Ordinierten ausgeführt.7 Im Unterschied zu den deutschen Buddhisten haben die asiatischen Buddhisten konkrete Vorstellungen von einer spezifisch buddhistischen Bestattung und haben entsprechende Bräuche aus ihrer Heimat mitgebracht. Die Problematik ihrer angemessenen Ausführung in westlichen Ländern ist allerdings ein relativ junges Phänomen. Da erst seit wenigen Generationen eine größere Zahl …
✂️ Ende der Leseprobe ✂️
Der vollständige Artikel umfasst 16 Seiten