Islamisch-theologische Studien an der Universität Wien.
Theologie im modernen akademischen Kontext [Islamic Theological Studies at the University of Vienna. Theology in a Modern Academic Context] Von Ednan Aslan
Zusammenfassung
In diesem Beitrag wird zunächst die Notwendigkeit der Etablierung einer islamischen Theologie bzw. damit verbundenen theologischen, strukturellen Problemen angesprochen. Anschließend zeigt der Beitrag am Beispiel des Institutes für islamisch-theologische Studien an der philologisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät, wie der Prozess der Akademisierung islamischer Theologie an einer europäischen Universität aufgebaut wurde. Im Abschluss setzt sich der Beitrag mit den verschiedenen Akteuren und deren Erwartungen an die Islamische Theologie auseinander.
Schlagwörter: Islamische Theologie, Islamwissenschaften, Universität Wien, Islamische ReligionslehrerInnen
Summary
This article first addresses the need to establish Islamic theology and the theological, structural problems associated with it. The article then uses the example of the Institute for Islamic Theological Studies at the Faculty of Philological and Cultural Studies to show how the process of academizing Islamic theology was set up at a European university. In conclusion, the contribution deals with the various actors and their expectations of Islamic theology.
Keywords: Islamic theology, Islamic studies, University of Vienna, Islamic teachers of religion
Submitted February 28, 2020, and accepted for publication June 22, 2020 Editor: Serdar Kurnaz
IV - 8.1.3 Islamisch-theologische Studien an der Universität Wien
1 Islamische Theologie im europäischen Kontext
Mit dem Beginn der europäischen Aufklärung sah sich die Theologie in die Defensive gedrängt1 . Auf der einen Seite drohte Gefahr von der unaufhaltsamen Säkularisierung der neuen nationalen Staaten. In dieser neuen Ordnung vertraten die Theologie und der säkulare Staat zwei komplementäre Positionen: Der weltanschaulich-neutrale Staat und sein Rechtssystem bildet den institutionellen Rahmen, in dem die Religionen und ihre Theologien ihre autonome Selbstvertretung genießen. Im Gegenzug erkennt die Religion die Rechtssetzung und das Gewaltmonopol des Rechtsstaats an und beschränkt ihre theologische Beschäftigung auf die unmittelbaren Gegenstände der religiösen Praxis und Glaubenslehre2 .
Auf der anderen Seite sah sich die Theologie immer mehr von den empirischen Wissenschaften, vor allem in der Gestalt der Geschichtswissenschaften, herausgefordert. Die Letztere betrachtet Religion und somit auch das Christentum als kulturgeschichtliches Phänomen, also als Teil einer historischen Entwicklung. In seiner „Kurze(n) Darstellung des theologischen Studiums“ bemüht sich der evangelische Theologe Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (1768-1834), der Theologie ihren Platz im Spektrum der modernen Wissenschaften aufzuweisen. Dies versucht er durch eine innere Einteilung und Organisation zu erzielen. Er gliedert die Theologie dreifach: philosophische Theologie, historische Theologie und praktische Theologie3 .
Die universitäre Theologie als bekenntnisgebundene Wissenschaft steht seitdem in einem Spannungsverhältnis zwischen ihren normativen Ansprüchen und den historisch-hermeneutischen und kritischen Zugängen der modernen Wissenschaften4 . Dieses Verständnis der Theologie - entstanden als Produkt der modernen europäischen Wissenschafts- und Universitätsgeschichte seit der Auseinandersetzung mit der „Vernunft“ der Aufklärung - steht im Kontrast zu den Formen islamisch-theologischer Wissensverwaltung, die an den meisten theologischen Bildungsinstitutionen der islamischen Länder und an zahlreichen privaten islamischen Bildungsinstitutionen in einigen europäischen Ländern und der USA gepflegt werden5 .
Die universitäre Institutionalisierung der islamischen Wissenschaften in Österreich fügt sich so in einen gefestigten gesellschaftlichen und akademischen Konsens über die Rolle und das Selbstverständnis der Theologie auf der akademischen Ebene in einem säkularen Staat. Islamische Theologie kann sich somit nicht auf die Verwaltung und Lehre des islamischen Traditionswissens beschränken. An österreichischen Universitäten institutionalisiert, muss sie sich selbst einer fundierten Selbstkritik ihrer Methoden und Theorien unterziehen
und sich mit historischen und systematischen Fragen befassen6 . Angesichts dieser langen historischen Entwicklung des Begriffs Theologie und der sich daraus ableitenden Herausforderung für das neue islamische Fach ist die Frage seiner Benennung keine oberflächliche Aufgabe.
2 Das neue Fach: ein genuin sprachlicher oder ein deutscher Begriff?
Der Begriff …
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Der vollständige Artikel umfasst 18 Seiten
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