Tworuschka, Erinnerungen an den Islamwissenschaftler und Philosophen Abdoldjavad Falaturi (1926-1996)

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## **IV - 4.1 Erinnerungen an den Islamwissenschaftler und Philosophen Abdoldjavad Falaturi (1926-1996)** UDO TWORUSCHKA Die Nachricht vom Tode Professor Dr. Abdoldjavad Falaturis (30.12.1996) erreichte mich am letzten Tag des Jahres. Sie kam überraschend, wenn auch nicht unerwartet. Ich hatte meinen Freund und Kollegen, der mit einem schweren Herzinfarkt seit über einem Vierteljahr auf der Intensivstation der Berliner Charité lag, am 6. Dezember noch besuchen können. Anfang Januar wollte ich erneut nach Berlin fahren. Doch die Zeichen standen schon unübersehbar auf Abschied. Der Zustand von Professor Falaturi machte - so war jedenfalls mein Eindruck - die Aussicht auf Besserung unwahrscheinlich. 15 Jahre lang habe ich mit meinem ehemaligen Kölner Kollegen zusammengearbeitet. Ich erinnere mich gut an meinen ersten Besuch bei diesem renommierten Islamwissenschaftler in der eben erst gegründeten Islamischen Wissenschaftlichen Akademie in Köln. Ich kannte Falaturi schon lange aus der Literatur und freute mich auf eine Begegnung mit ihm. Wir kamen in ein fruchtbares Gespräch, an dessen Ende die vage Idee eines Forschungsprojektes über das Islambild in deutschen Schulbüchern stand. Aus dieser Idee wurde sehr bald Wirklichkeit. Am Ende unserer eineinhalb Jahrzehnte dauernden Zusammenarbeit mit über 40 Fachwissenschaftlern und -didaktikern, nach vielen Symposien und Reisen konnte sich das Ergebnis sehen lassen: die im Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung in Braunschweig erschienene, von A. Falaturi herausgegebene Reihe „Der Islam in den deutschen Schulbüchern“ (7 Bde., Braunschweig 1986-90). Ohne Falaturis Beharrlichkeit und Zähigkeit, ohne sein diplomatisches Geschick im Umgang mit der „westlichen“ und „islamischen“ Seite wäre dieses Forschungsprojekt niemals so erfolgreich gewesen. Es hat in der Fachwelt und in den Medien ein sehr großes, lang anhaltendes Echo gefunden. An dieses nationale Projekt schloss sich seit 1988 ein internationales an: „Islam in Textbooks“ - eine Untersuchung des Islambildes in den westeuropäischen Schulbüchern. Dieses Projekt konnte zu einem sehr großen Teil abgeschlossen werden. Es liegen Untersuchungen aus sieben Ländern vor: außer Deutschland, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Niederlande und Österreich. Die schwedische Analyse wurde als Doktorarbeit an der IV - 4.1 DER ISLAMWISSENSCHAFTLER UND PHILOSOPH ABDOLDJAVAD FALATURI Universität Karlstad approbiert. Als Leiter des deutschen Forschungsprojektes waren Falaturi und ich sehr darauf bedacht, dass die aufwendigen qualitativen und quantitativen Analysen Eingang in die praktische Schulbucharbeit fanden. An den einschlägig überarbeiteten Auflagen wie auch durch direkte Rückmeldungen von Verlagen und Autoren ließ sich unser Erfolg ablesen. Mit der ihm eigenen, wohl nicht nur von mir immer wieder bestaunten Vitalität hat sich Abdoldjavad Falaturi dafür eingesetzt, die Ergebnisse der deutschen Analysebände in einer Broschüre für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen: „Der Islam im Unterricht. Beiträge zur interkulturellen Erziehung in Europa“ (Braunschweig, 1996). Wir nannten die Texte intern die „Eifeler Papiere“, weil sie entweder bei mir zu Hause in Bad Münstereifel oder in Falaturis Ferienhaus in der Eifel (das aus gutem Grund kein Telefon hatte) bedacht und formuliert wurden. Es gibt englische, französische, niederländische Übersetzungen dieser Schrift. Am erstaunlichsten aber ist es, dass die türkische Übersetzung „Alman Okul Kitaplarinda Islam“ (von M. Zeki Okur, hrsg. von Diyanet, Islamische Union der Anstalt für Religion) zum Unterrichtsbuch über Islam für junge Musliminnen und Muslime geworden ist. Auf die Analysen und die Kritik falscher Schulbuchaussagen und missverständlicher Formulierungen sollte ein zweiter Schritt folgen: die Konstruktion. Falaturi und ich planten, neue, umfassende Darstellungen für die jeweiligen Fächer zu erarbeiten, wobei ausgewiesene Fachleute beteiligt werden sollten. Der einzige erschienene Band ist geradezu ein Musterbeispiel seiner Gattung und hat in der Fachwelt große Beachtung gefunden: „Der Islamische Orient. Grundlagen zur Länderkunde eines Kulturraumes“ (1990). Dieser Publikation sollten weitere zu Geschichte, Religion usw. folgen. Vor der Veröffentlichung steht: „Der islamische Orient - Grundzüge seiner Geschichte“, das von führenden deutschen Orientalisten verfasst wurde. Abdoldjavad Falaturi war stolz darauf, von Kindheit an „zwei Seelen“ in seiner Brust zu haben. Sie ließen ihn zu einem idealen Vermittler zwischen Islam und Abendland werden. Geboren wurde Falaturi am 19. Januar 1926 in Isfahan. In dieser Stadt mit ihrer langen multikulturellen Vergangenheit wuchs er auch auf. In der Heimatstadt legte er 1943 an einer …
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