Kraft, Der Neubau von Moscheen in Deutschland

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Der Neubau von Moscheen in Deutschland SABINE KRAFT Moscheebauten als neue Bauaufgabe Eindrucksvolle Moschee-Neubauten in Europa sind mittlerweile keine Seltenheit mehr, selbst wenn es sich um eine verhältnismäßig junge Bauaufgabe handelt. Repräsentative Moscheen entstehen auch in Deutschland und bewegen die Gemüter - vor allem, wenn es Anwohner betrifft, die sich erst durch die unmittelbare Nachbarschaft zu einem Gebetshaus des Islam mit dieser „fremden“ Religion befassen. War in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg die geringe Anzahl islamischer Sakralbauten fast unbeachtet geblieben, so hat die deutsche Öffentlichkeit von der „Moscheebauwelle“, die bereits mit Beginn der 1990er Jahre eingesetzt hatte, inzwischen Notiz genommen. Die Migration von Menschen aus islamischen Ländern lässt das Bedürfnis nach ange - messenen Kulträumen wachsen - eine Tendenz, die eher im Gegensatz zum Kirchen- oder Synagogenbau steht. Die rege Bautätigkeit muslimischer Gemeinschaften hat in der deutschen Gesellschaft und Politik zuweilen starke emotionale Reaktionen ausgelöst und für entsprechendes Medieninteresse an den öffentlichen Diskussionen gesorgt. Dass im christlich-abendländisch geprägten Deutschland die muslimischen Einwanderer neuerdings ihre Gotteshäuser (als sichtbare und manchmal imposante Neubauten) errichten, ist ein Prozess, der anderswo im Westen seit Jahrzehnten im Gange ist. Relativ neue und beeindruckende Moscheebauten existieren etwa in Frankreich, England, den Niederlanden und anderen europäischen Ländern; besonders viel Erfahrung mit der neuen Baugattung hat man vor allem in Nordamerika. Typische Beispiele aus den USA und Kanada mögen bei der Debatte um die hiesigen Moscheen helfen, allemal wenn es um die architektonische Bedeutungs- und Gestaltungsebene geht. Schließlich findet man dort wie in Deutschland eine Diaspora-Situation vor, die naturgemäß jeden Moschee-Entwurf beeinflussen wird. Aus architekturtheoretischer Sicht stellt sich darum die Frage, inwieweit muslimische Minderheiten in der Lebenswelt des Westens eine eigene Architektursprache zu entwickeln vermögen. In jedem Moschee-Neubau steckt für eine muslimische Gemeinschaft die Gelegenheit, mit einem architektonisch kompetenten Vokabular auf den gesellschaftlichen und städtebaulichen Kontext einer vorwiegend nicht muslimischen Gesellschaft einzugehen und damit entsprechende Signale zu setzen. Räumliche Elemente einer Moschee und Moschee-Typen Des sprachlichen Ursprungs des Wortes entsprechend verkörpert die Moschee einen „Ort des Niederwerfens“ (arabisch: masdjid), an dem sich das islamische Gebetsritual - als bestimmte Abfolge von Verbeugungen und Niederknien - vollzieht. Die Betenden stellen sich dabei Schulter an Schulter in langen Reihen auf, vorzugsweise vorne, also direkt hinter dem Vorbeter (Imam). Neben dem vorgeschriebenen sauberen Fußboden, der nicht mit Schuhen betreten werden soll, ist die Ausrichtung des Gebetsbereiches nach Mekka, wo sich das Heiligtum der Kaaba befindet, die wichtigste Bedingung für die Anlage einer Moschee. Traditionell übernimmt das islamische Religionshaus mehr als bloß die Funktion des Anbetungsortes, denn es erfüllt wichtige religiöse und soziale Bedürfnisse durch weitreichende Zusatzfunktionen: Bibliotheken, Koranschulen, Wohnungen, Sportanlagen, Küchen, Bäder, Krankenhäuser, Läden und vieles mehr. Grundsätzlich war die Moschee schon immer eine politische Einrichtung, die spürbaren Einfluss besaß und eng mit dem Leben und Alltag der Gläubigen verknüpft war.1 Ein umfangreicher Moscheekomplex ist also nicht nur Stätte der Anbetung, sondern im weitesten Sinne ein sozialer und politischer Mittelpunkt für die muslimischen Bürger und darüber hinaus ein Wahrzeichen des Islam.2 Als wichtigste Architektur- und Einrichtungselemente des Betsaales gelten die Kibla-Wand , in der die nach Mekka weisende Gebetsnische ( Mihrab ) eingelassen ist, sowie rechts daneben die Predigtkanzel ( Minbar ) für die Freitagspredigten. Zur Vorbereitung des gemeinsamen Gebets in Form der rituellen Reinigung sind Waschplätze innerhalb der Kultstätte unverzichtbar; ob aufwendige Brunnenanlage oder alltägliche Nassräume - die gestalterischen Möglichkeiten sind breit gefächert, solange es sich nur um fließendes Wasser handelt. Schließlich darf in keiner Moschee die Schuhablage fehlen; so banal es erscheinen mag, auch diese Vorrichtung mit einer entsprechenden Verkehrsfläche hat der Architekt im Rahmen eines tauglichen Raumprogramms zu berücksichtigen. Als eine der fünf Säulen des Islam ist das Gemeinschaftsgebet, zumindest aber das Freitagsgebet in der Moschee, eine Pflicht für die männlichen Muslime. Auch Frauen beten dort, allerdings strikt getrennt von den Männern. Die Geschlechtertrennung bezüglich der islamischen Gebetspraxis erfolgt durch …
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