Neuapostolische Kirche[1 ]
Von Udo Tworuschka
Religiöse Erweckungsbewegungen
Seit dem 19. Jahrhundert entstanden in England und Schottland sowie auf dem europäischen Festland religiöse Erweckungsbewegungen, bei denen sich eine endzeitliche Ausrichtung (Erwartung der Wiederkunft Christi, des Tausendjährigen Reiches) mit der Erneuerung des frühchristlichen Apostelamtes verband. Zwischen 1832 und 1835 wurden zwölf englische Apostel, welche die Kirche auf das zweite Kommen Jesu vorbereiten sollten, durch prophetisch begabte Personen berufen. Am 14. Juli 1835 fand in der „Versammlung der Sieben Gemeinden“ in London (London-Central, Bishopsgate, Southwark, Chelsea, Islington, Paddington, Westminster), die an die Gemeinden der Johannesapokalypse erinnern, die feierliche „Aussonderung“ der Apostel durch die „Engel“ der Gemeinden für die Ausübung ihres Amtes statt. In Offb 1,4 schreibt der „Knecht Johannes“ „den sieben Gemeinden in der Landschaft Asien“. Der Seher sieht den Menschensohn mit sieben Sternen in der rechten Hand und sieben goldene Leuchter. Unter dem „Engel der Gemeinde“ (2,1) ist der jeweilige (menschliche) Vorsteher bzw. Leiter zu verstehen. Die meisten der ersten Amtsträger kamen aus der anglikanischen Kirche und der presbyterianischen schottischen Kirche. Auch lutherische, reformierte und römisch-katholische Geistliche wurden Mitglieder der neuen Kirche.
Katholisch-apostolische Gemeinden
Vorläufer bzw. „Mutterkirche“ der Neuapostolischen Kirche (NAK) waren die auf ihren geistigen Vater, den zweiten der zwölf englischen Apostel, Henry Drummond (1786-1860), zurückgehenden Katholisch- (im Sinne von „weltumspannend“) apostolischen Gemeinden. Sie bildeten sich ab 1831 in England. 1863 kam es zu einem Schisma, das zur Bildung der „Allgemeinen christlichen apostolischen Mission“ und seit 1878 zur Entstehung der NAK führte. Gründe waren fundamentale Auffassungsunterschiede über die Rolle des Apostelamtes bei der Bereitung der Gläubigen für die Wiederkunft Christi sowie die Möglichkeit einer Ergänzung des von ursprünglich zwölf auf sechs Personen reduzierten Apostelkreises. Die von der Katholisch-apostolischen Kirche ausgesprochene Exkommunikation des Hamburger Gemeindeleiters
Friedrich Wilhelm Schwartz am 27. Januar 1863 gilt als die Geburtsstunde der Neuapostolischen Kirche.
Nach dem schottischen Prediger Edward Irving (1792-1834), der als bedeutender Sohn seines Landes in der Kathedrale von Glasgow beigesetzt wurde, nannte man die Mitglieder dieser apostolischen Gemeinden auch „Irvingianer“. Neben Methodisten und Baptisten wurden sie von Staat und Kirche zu den drei wichtigsten „Sekten“ gezählt.
Mit Erlaubnis des Urhebers Mathias Eberle abgedruckt
GrĂĽndung der Neuapostolischen Kirche
Der letzte der zwölf englischen „Apostel“, Francis Valentine Woodhouse (geb. 1805), welche die „Geistlichen“ und „Diakone“ ordinierten, starb 1901. Mit seinem Tode war die Ordination von Geistlichen endgültig beendet. Heute leben keine Geistlichen und Diakone mehr. Wenige Unterdiakone leiten die Gottesdienste. Da keine Priester mehr leben, sind nicht alle Amtshandlungen mehr möglich. Als von den zwölf Aposteln nur noch sechs lebten und wirkten, geschahen weitere „Rufungen“. Da diese neuen Apostel nicht von allen Gemeinden und den restlichen sechs Aposteln anerkannt wurden, kam es zu
Spaltungen. Aus einer solchen Abspaltung in Deutschland entstanden die neuapostolischen Gemeinden (1862/63).
Die Geschichte der NAK (Bezeichnung seit ca. 1938; vorher seit 1907: „Neuapostolische Gemeinde“, die bereits Körperschaft des öffentlichen Rechtes war) begann als selbstständige Einrichtung seit 1863 mit dem Amt des „Stammapostels“. Dieser nahm unter den weltweit rund 240 Aposteln einen hervortretenden Platz ein. Bei den Neuapostolischen wurde die Bedeutung des Apostelamtes gegenüber den übrigen Ämtern (Propheten, Evangelisten, Hirten …
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Der vollständige Artikel umfasst 20 Seiten
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