Frieling, Kirste, Missionsbewegung, konziliarer Prozess und interreligiöser Dialog

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Missionsbewegung, konziliarer Prozess und interreligiöser Dialog Von Reinhard Frieling und Reinhard Kirste (Adressaktualisierungen Michael Biehl) Bezeugung und Verkündigung des Glaubens, der den Bekehrten das Heil bedeutet, gehört zu den Konstitutiva des christlichen Glaubens von den Anfängen an. Mt 28,19, der sog. Missions- oder Taufbefehl, hat dabei in Verbindung mit Joh 14,6 und Apg 4,12 eine antreibende und problematische Rolle gespielt. Hier zeigt sich der ursprüngliche Sinn des Wortes - missio als Sendung angesichts der herannahenden Gottesherrschaft, die die Christen im ersten Jahrhundert unmittelbar erwarteten. Durch den eschatologischen Druck des kommenden Gerichtes Gottes wird das Sendungsbewusstsein angefacht. Das führt zur Gründung einer Vielzahl christlicher Gemeinden im Römischen Reich von Palästina, über Kleinasien und Griechenland bis nach Rom und 50 Jahre später faktisch im gesamten Römischen Reich. Wichtige frühe Zeugnisse sind dabei die Briefe des Apostels Paulus und die Apostelgeschichte, aber auch die sog. Katholischen Briefe (Paulus zugeschrieben, aber nicht von ihm verfasst). Mission hat neben der Evangeliumspredigt von Anfang an jedoch auch eine diakonische Komponente, weil sie sich an alle ohne Ansehen der Person richtet und damit natürlich auch viele aus den unterprivilegierten Schichten ansprach, die sich auf diese Weise eine Besserung ihrer Lebenssituation erhofften. Wo Reiche und Arme eine gemeinsame Gemeinde bilden (wie in Korinth), blieben die Spannungen nicht aus. Durch die Anbindung des Heils an die organisierte Form des christlichen Glaubens wird mit Cyprian von Karthago (210 / 215-258) ein Kirchenbegriff festgeschrieben, der in seinen Folgewirkungen die Bekehrung Andersgläubiger (= Heiden und Ketzer) zum absoluten (Missions-)Auftrag machte. In zwei berühmt gewordenen Sätzen konzentrierte sich diese Haltung: Habere non potest Deum patrem qui ecclesiam non habet matrem: „Wer die Kirche nicht zur Mutter hat, kann Gott nicht zum Vater haben.“ Salus extra ecclesiam non est: „Es gibt kein Heil außerhalb der Kirche.“1 Die Nötigungskraft dieser Sätze hängt mit dem Risiko von ewigem Heil oder ewigem Verderben für Menschen zusammen. Sie änderte sich faktisch auch nicht bei den protestantischen Kirchen nach der Reformation, sondern nahm II - 4.2.3 Missionsbewegung, konziliarer Prozess, interrel. Dialog nur eine veränderte Fassung an: „Statt außerhalb der Kirche gibt es kein Heil“ (Cyprian: Extra ecclesiam salus non est , ep. 73,21) heißt es nun: „Außer halb des Christentums gibt es kein Heil“2 . Solange die Kirche selbst in einer Minderheitenposition lebte und nicht an der staatlichen Macht teilhatte, stärkte dieser Glaube eher das Märtyrerbewusstsein, als dass er große politische Folgen zeitigte. Mit der Hinwendung von Konstantin zum Christentum (legendarisch festgemacht an seiner Kreuzesvision vor der Milvischen Brücke in Rom im Jahre 312) kam das Christentum aus der Rechtsunsicherheit heraus. Durch die Protegierung durch die byzantinischen Kaiser von Konstantin an bis hin zur Festlegung des Christentums als Staatsreligion geriet das Christentum in die Interessensphäre imperialer Absichten. Dies führte nach der Neuordnung der politischen Verhältnisse durch Karl d. Gr. zu brutalen Christianisierungsaktionen (z. B. in den Sachsen kriegen und bei der Bekehrung der Slawen). Die Eroberung Lateinamerikas ist letztlich auch eine missionarische Antwort auf den fehlgeschlagenen Versuch in den Kreuzzügen, die heiligen Stätten wieder unter christliche Oberhoheit zu stellen und die Muslime zum Christentum zu bekehren, d. h. von ihrem ketzerischen Wege abzubringen. So nahm die Eroberung Lateinamerikas Kreuzzugsmentalität auf, mit der sich das christliche Abendland in seiner Herrschaft stabilisierte und ökonomisch sanierte. Martin Luther (1483-1546) und die Reformation hielten sich missionarisch sehr zurück. Der missionarische Aufbruch erfolgte erst mit der Entdeckung des Seeweges nach Indien. Damit war das Handelsmonopol des Osmanischen Reiches gebrochen, nachdem es die Seemacht Venedig schon im Mittelmeer ausgehöhlt hatte. Die Verschiebung in der weltgeschichtlichen Vormachtstellung von Spanien und Portugal hin zu England und Frankreich brachte mit einem erheblichen Kolonialisierungsschub auch einen Neuaufbruch in der Mission, besonders seit dem 19. Jahrhundert.3 Der Begriff „Mission“ für die Ausbreitung des Christentums taucht bezeichnenderweise erst mit dem Aufblühen der Missionsbewegung im Kontext der Kolonialgeschichte der Weltmächte seit dem 16. Jahrhundert auf. „Obwohl die genuin religiösen Motive der Missionswerke und der Missionare nicht zu leugnen sind, hängt der Missionsbewegung auf tragische Weise die Mitschuld am brutalen …
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