Interreligiös arbeitende Gruppierungen und Publikationen in Deutschland - eine Auswahl
Die theologische und religionswissenschaftliche Szene in Deutschland und dem deutschsprachigen Raum ist insgesamt recht vielfältig und inzwischen durch eine Reihe von Initiativen, Zeitschriften religionswissenschaftlichen Charakters und anderen Publikationen geprägt, die grundsätzliche und praxis - orientierte Beiträge liefern. Solche Textsammlungen entstehen überwiegend aus Seminaren und Konferenzen, die meisten kommen jedoch aus Institutsarbeiten einzelner Hochschulabteilungen (z.B. Theologie interkulturell an der katholischen Fakultät der Universität Frankfurt/M. - www.thi.uni-frankfurt.de) oder sind eher Privatinitiativen wie die der Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A) in Nachrodt/Westfalen (www.interrel.de). Letztere hat sich durch ihre Konferenzen und Buchreihe Religionen im Gespräch ( RIG - bisher 9 Bände) , inzwischen einen gewissen Namen gemacht. Für den deutschsprachigen Raum sei noch in besonderer Weise auf das interreligiöse Studienprogramm an der Universität Salzburg hingewiesen (www.sbg.ac.at/tfd/theologie_inter kulturell/home.htm).
Darüber hinaus gibt es eine beachtliche Zahl spiritueller Zentren und Diskussionsforen quer durch die Republik. Diese Zentren sind mehr oder weniger unterschiedlichen religiösen bzw. weltanschaulichen Traditionen verpflichtet. Die meisten haben einen asiatischen Hintergrund, vereinzelt haben diese Zent ren auch indianische Traditionen Amerikas aufgenommen. Sie stellen allerdings eher ein Angebot dialogisch offener Art auf dem Hintergrund einer Religion dar (z.B. Buddhismus oder Bahá’í) oder sind mehr ein Querschnitt durch die postmoderne Religiosität.
Besondere Erwähnung verdienen schließlich das japanische EKO-Haus in Düsseldorf (www.eko-haus.de ) und die Einrichtungen der ebenfalls aus Japan kommenden neu-buddhistischen Soka Gakkai -Bewegung in der Nähe von Frankfurt am Main und Bingen am Rhein. Sie zeigen, dass die Begegnung mit anderen Denkweisen, Religionen und Kulturen teilweise zu erheblichen Rückwirkungen auf das Selbstverständnis der einzelnen Gruppen führt, die dann von sich aus eine interreligiöse Begegnung suchen (www.sgi-d.org).
Einen philosophisch-interkulturellen Ansatz dagegen vertritt die Gesellschaft für interkulturelle Philosophie (GIP = www.int-gip.de), die der jetzt in Koblenz lebende indische Philosophieprofessor Ram Adhar Mall gegründet hat und die in interdisziplinär ausgerichteten Fachkreisen erhebliches Interesse findet.
In der Versöhnung stiftenden Tradition des Parlaments der Weltreligionen steht die deutsche Sektion Religionen für den Frieden (World Conference on Religion and Peace = Religions for Peace/WCRP , gegründet 1970 mit einem multireligiös besetzten Präsidium und dem Generalsekretariat in New York). Für den Sommer 2006 steht die 8. Weltkonferenz mit ca. 800 Teilnehmern im japanischen Kyoto an. Auf Länderebene sind dies dann regionale und lokale Gruppierungen, die die gemeinsame Verantwortung der Religionen für den Frieden in konkreten Projekten und politischen Forderungen umzusetzen versuchen (www.wcrp.de und für Europa: www.religionsforpeace.net/europe).
Noch nicht sehr stark verbreitet hat sich im deutschsprachigen Raum die United Religious Initiative (URI) mit Sitz in San Francisco. Sie ist in ihrer Zielrichtung durchaus mit WCRP ( Religions for Peace) zu vergleichen (www.uri.org).
Im Einzugsbereich von Religionen für den Frieden findet man die von der Unitarierbewegung herkommende und zu ihr in weitem Sinne gehörende, weltweit wirkende Association for Religious Freedom (IARF), die auch Tagungen mit internationalem Charakter veranstaltet und einen deutschen Zweig besitzt28 und in Großbritannien eng mit dem World Congress of Faiths (WCF) zusammenarbeitet (www.worldfaiths.org). Mehrere interreligiöse Organisationen haben sich zum International Interfaith Centre zusammengeschlossen und betreiben in Oxford ein gemeinsames Büro (www.interfaith-center.org).
Einen interkulturellen Schwerpunkt - ebenfalls mit interreligiösen Themen - bildet das Haus der Kulturen Berlin , das in der ehemaligen Kongresshalle durch Tagungen, Ausstellungen und festliche Arrangements auf sich aufmerksam macht. Bereits 1989 (noch vor dem Fall der Mauer) entstand hier ein Element der Kulturpolitik (weiterhin vom Land Berlin und der Bundesrepublik Deutschland finanziell getragen), das nicht durch einen deutschen „Kulturexport“ ins Ausland geprägt ist, sondern die Intention gewissermaßen herumdreht: In Berlin als Drehscheibe zwischen Ost und West soll eine Begegnung der Kulturen möglich werden, und zwar von der Musik über Theater, Film, bildende Kunst bis hin zu interkulturell ausgerichteten Kongressen. Nachdem Berlin nun wieder deutsche Hauptstadt geworden ist, bietet sich an, modellhaft Möglichkeiten von Multikulturalität und Zusammenarbeiten verschiedener Traditionen aufzuzeigen und damit im Sinne eines „Multikulturzentrums“ auch Weichen …
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Der vollständige Artikel umfasst 8 Seiten
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