Zimmerling, Evangelische Kommunitäten

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Evangelische Kommunitäten Von Peter Zimmerling Zum Begriff „Kommunität“ (lat. communitas , engl. community , frz. communauté ) wird im Deutschen in einem engeren und einem weiteren Sinn verwendet. Im engeren Sinn bezeichnet er evangelische Gemeinschaften, die nach der - häufig modifizierten - Regel der drei monastischen Gelübde auf Dauer zusammenleben: des Gehorsams gegen eine Leitungsinstanz, des Verzichts auf Privatbesitz und auf die Ehe (z. B. die „Communauté de Taizé“ oder die „Communität Christusbruderschaft Selbitz“). Hierher gehören auch die z. T. bereits im 19. Jahrhundert entstandenen Diakonissenmutterhäuser. Im weiteren Sinn findet der Begriff für Schwesternschaften, Bruderschaften und Gemeinschaften von Frauen und Männern Verwendung, deren Mitglieder zwar nach einer verbindlichen Regel ihr Christsein gestalten und auch regelmäßig zu Tagungen und Einkehrzeiten zusammenkommen, ohne sich aber aus Familie und Beruf zu lösen (z. B. die „Evangelische Michaelsbruderschaft“). Es gibt auch Gemeinschaften, die beide Formen leben (z. B. die „Jesus-Bruderschaft Gnadenthal“). Eine besondere Form geistlicher Gemeinschaften stellen schließlich die bereits aus der Reformationszeit stammenden evangelischen Damenstifte dar, die ihre Entstehung der Umwandlung vorreformatorischer Klosterkonvente verdanken. Die heutigen Selbstbezeichnungen der Gemeinschaften lassen eine bunte Vielfalt erkennen, die sich meist aus ihrer Eigenart und Entstehungszeit ergibt, aber nicht unbedingt ihre innere Struktur zum Ausdruck bringt (Kommunität, Bruder- und Schwesternschaft, Familie, Ring, Kreis, Gilde, Foyer, Oratorium, Kloster, Konvent, Cella, Priorat, Orden u. a.). Zur Entstehung von neuen evangelischen Kommunitäten und geistlichen Gemeinschaften im 20. und 21. Jahrhundert Im 20. Jahrhundert gab es drei Entstehungswellen gemeinschaftlichen Lebens in der evangelischen Kirche. Zunächst schlossen sich vor und nach dem Ersten Weltkrieg im Zusammenhang mit der Gemeinschaftsbewegung und dem Protest der Jugendbewegung gegen das wilhelminische Deutschland, angesichts der Erschütterungen des Ersten Weltkriegs, der Neuordnung des kirchlichen Lebens in der Weimarer Republik und der Neuorientierung der Theologie in den Zwanzigerjahren einzelne Bruderschaften ohne gemeinsames Leben zusammen: z. B. die „Bahnauer Bruderschaft“ (1906), der heutige „Pfarrerinnen- und Pfarrer-Gebetsbund“ (1913), die „Sydower Bruderschaft“ (1922), der „Freudenstädter Kreis“ (1928), die „Hochkirchliche St. Johannes-Bruderschaft“ (1929). Am bekanntesten und größten wurde die 1931 gegründete „Evangelische Michaelsbruderschaft“. Diese Bruderschaften hatten sich meist im Geist erwecklich-pietistischen Lebens, hochkirchlich-liturgischer Strömungen und mit Impulsen aus der „Bruderschaft vom gemeinsamen Leben“ (gegründet 1905 in der Schweiz) in der Nachfolge Thomas’ a Kempis (Thomas von Kempen, um 1380-1471) und der Gruppenbewegung Frank Buchmans (1878-1961) gebildet. Abgesehen von Bonhoeffers Bruderhaus in Finkenwalde 1935 und der schon 1940 gegründeten Bruderschaft in Taizé entstanden die ersten Kommunitäten mit gemeinsamem Leben erst unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihre Gründung hing mit dem Zusammenbruch von 1945 und einem Suchen nach neuen Werten und Lebensformen zusammen. Damals bildeten sich evangelische Orden in der Traditionslinie vorreformatorischer Regeln: die „Evangelische Marienschwesternschaft“ (1947), der „St. Johannis-Konvent vom gemeinsamen Leben“ (1947), die „Communität Christusbruderschaft Selbitz“ (1949), die „Communität Casteller Ring“ (1950), die „Kommunität Imshausen“ (1955), das „Julius-Schniewind-Haus“ in Schönebeck/Elbe (1957), die „Christusträger Bruderschaft“ und „Christusträger Schwesternschaft“ (1961), die „JesusBruderschaft Gnadenthal“ (1961) und die „Kommunität Adelshofen“ (1962). Im eher kleinen Rahmen haben sich hin und wieder auch Gemeinschaften gebildet, die in ihrem Leben nach den evangelischen Räten als Dienstgemeinschaft direkt einer Ortsgemeinde angegliedert waren. So z. B. im Horizont des Volksmissionskreises Sachsen die Schwesternschaft in Bräunsdorf (1962) und die Bruderschaft in Großhartmannsdorf (1969). Ende der 1960er-Jahre formierten sich Familiengemeinschaften als soziale Erneuerungskerne in einer Zeit tief greifender gesellschaftlicher Umbrüche. Zu ihren größten zählen die Familienkommunität der „Jesus-Bruderschaft Gnadenthal“ (1968), die „Offensive Junger Christen“ in Reichelsheim i. Odw. (1968), die „Lebensgemeinschaft für die Einheit der Christen“ auf Schloss Craheim (1968/1978) und die „Communität Koinonia“ (1976). Zu den erst in den 1980er bzw. 1990er-Jahren entstandenen Familiengemeinschaften gehören die „Jesus-Gemeinschaft“ in …
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