Ilg, Simojoki, Hees, Konfi-Arbeit in Europa

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Konfirmandenarbeit in Europa. Exemplarische Befunde einer vergleichenden empirischen Studie Von Henrik Simojoki, Wolfgang Ilg und Friedrich Schweitzer Europa als Bildungsraum und Horizont der Religionspädagogik In jüngster Zeit wächst in der Pädagogik und Religionspädagogik die Einsicht, dass Fragen religiöser Bildung und Erziehung nicht mehr in ausschließlich nationalstaatlicher Perspektive erörtert werden können. Mitbedingt durch die politische und ökonomische Europäisierung, die auch kulturelle und religiöse Dimensionen einschließt und Bildungsfragen nicht unberührt lässt, gerät vor allem auch der Bildungsraum Europa verstärkt in den Blick. Europa und Bezüge auf Europa können dabei einen Bildungsinhalt darstellen, zugleich aber auch einen Bezugshorizont für die internationale Forschung und Theorieentwicklung. Beispielsweise kann es von Interesse sein, ob korrespondierende Bildungsangebote in verschiedenen Ländern zu ähnlichen Ergebnissen führen. Allerdings fällt auf, dass sich die bisherigen Versuche, Prozesse und Strukturen religiöser Erziehung und Bildung im europäischen Horizont zu erforschen, weitgehend auf den Religionsunterricht der Schule beschränken. Dagegen steckt eine entsprechende Ausweitung auf den non-formalen Bildungsbereich, der u. a. auch gemeindepädagogische Praxisfelder einschließt, noch in den Anfängen.1 Dies steht im Gegensatz zu der wachsenden Einsicht in die Bedeutung non-formaler, also nicht schulischer Bildungsangebote. Vor diesem Hintergrund wird im vorliegenden Beitrag der Versuch unternommen, die Konfirmandenarbeit im weiteren Kontext Europas zu beschreiben und auszulegen. Im Vergleich zum schulischen Religionsunterricht sind die Grundstrukturen der Konfirmandenarbeit (zumindest in etlichen europäischen Ländern) recht ähnlich und bieten daher für empirische Vergleiche ein interessantes Forschungsfeld. Der vorliegende Artikel basiert auf einer empirischen Vergleichsstudie,2 an der sieben europäische Länder bzw. Kirchen beteiligt waren (Dänemark, Deutschland, Finnland, Norwegen, Österreich, Schweden und die Schweiz). Insofern bezieht er nicht den gesamten Bildungsraum Europa ein, kann aber doch eine exemplarische Bedeutung für sich beanspruchen. Methodologisch baut die Untersuchung auf der bundesweiten Studie zur Konfirmandenarbeit in Deutschland auf.3 Insgesamt waren mehr als 28.000 Personen in die Untersuchung einbezogen. Im „International Network for Research and Development of Confirmation and Christian Youth Work“4 , einem Forschungsverbund, der aus dem internationalen Kooperationsprojekt hervorging, laufen derzeit Bemühungen, zukünftig noch weitere Länder in die komparative Erforschung von Konfirmandenarbeit einzubeziehen.5 Teilnahme an der Konfirmandenarbeit In den sieben Ländern, auf die sich die Untersuchung bezieht, wird die Konfirmandenarbeit mit Gruppen von Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 15 durchgeführt und endet mit dem Fest der Konfirmation. Die Konfirmation ist überall ein kirchliches und zugleich hoch bedeutsames familiales Fest, das eine Vorbereitungszeit von etwa einem Jahr voraussetzt und freiwilligen Charakter für die Jugendlichen trägt. Waren früher insbesondere in skandinavischen Ländern an die Konfirmation auch zivile Rechte gebunden, ist der Charakter des Konfirmationsfestes als Passageritus im politischen Sinne inzwischen fast vollständig verloren gegangen. Insofern ist von einem Privatisierungsprozess zu sprechen. Zwar gilt die Konfirmation in vielen Kirchen als Voraussetzung für eine kirchliche Trauung oder die Übernahme eines Patenamtes, in der Praxis kommen diese Rechte zumeist aber auch nicht konfirmierten Getauften im entsprechenden Alter zu. Als ein individueller oder familialer Passageritus hat die Konfirmation mit der Vorbereitungszeit ihre Bedeutung beibehalten. Der nachlassende äußere und innere Verpflichtungscharakter der Konfirmation hat in den Ländern zu sehr unterschiedlichen Entwicklungen geführt. Abbildung 1 zeigt die Teilnahmequoten an der Konfirmation in den letzten Jahren. Es wird der Prozentsatz aller 14- bzw. 15-Jährigen abgebildet, die sich im jeweiligen Land konfirmieren ließen. Der Bevölkerungsverteilung auf die Konfessions- und Religionszugehörigkeit entsprechend lagen diese Anteile bis zu den 1970er-Jahren im stark lutherisch geprägten skandinavischen Raum bei annähernd 100 %. Die Entwicklungen der letzten Jahre verliefen dann sehr länderspezifisch. Insbesondere Schweden erlebte einen dramatischen Einbruch der Konfirmandenquote. Ließen sich Ende der 1980er-Jahre dort noch zwei Drittel aller Jugendlichen konfirmieren, hat sich der Anteil inzwischen auf etwa ein Drittel halbiert. Eine ähnliche, allerdings gebremste Entwicklung zeigt sich in Norwegen und zum Teil in Dänemark. Natürlich sind die abnehmenden Quoten auch vor dem …
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