Eilrich, Marienfrömmigkeit im Protestantismus

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Marienfrömmigkeit im Protestantismus CHRISTIANE EILRICH Grundsätzliches In christlicher Frömmigkeit gewinnt der Glaube im Alltag Gestalt, in Ausrichtung auf Gott und in Zuwendung zu ihm. Auch im Protestantismus kann die Figur Mariens eine solche gläubige Existenz illustrieren: Maria ist Vorbild des Glaubens. Sie hat sich, so das biblische Zeugnis, dem Handeln Gottes an ihr vorbehaltlos zur Verfügung gestellt, hat sich einbeziehen lassen in die Mensch werdung Gottes zum Heil der Menschen. Dabei gewinnt sie ihre Bedeutung nicht aus sich selbst heraus. „Sie will nicht, dass du zu ihr kommst, sondern durch sie zu Gott“, so sagt es Martin Luther in seiner Auslegung des Magnificat. Maria ist bedeutsam in ihrer Beziehung zu ihrem Sohn, als erste Jüngerin Jesu. Und sie ist bedeutsam in ihrer Funktion als Mutter des Christus. „Gottesgebärerin“ haben Theologen in den ersten christlichen Jahrhunderten sie genannt und diese im Jahr 431 dogmatisch festgelegte Definition der Rolle Mariens im Heilswerk Gottes haben auch die Kirchen der Reformation in die Beschreibung ihrer eigenen Glaubensüberzeugungen, ihre Bekenntnisschriften, übernommen. Protestantische Marienfrömmigkeit muss den Grundsätzen reformatorischer Theologie genügen. Nach dem Prinzip des „solus Christus“ ist strikte Ausrichtung auf Christus der theologische Maßstab ihrer religiösen Inhalte. Nach dem Prinzip des „sola scriptura“ können ausschließlich die biblischen Zeugnisse Ausgangspunkt und Fundament einer protestantischen Wertschätzung und Verehrung Mariens bilden. Biblische Grundlagen Innerhalb des Kanons biblischer Schriften zeigt vor allem der Evangelist Lukas (Lk) ein „ehrerbietiges Interesse an Maria“1 . Dabei lassen Lk 1,48b und 11,28f. eine bereits in der ersten christlichen Generation vorhandene verehrende Hervorhebung Mariens erkennen. Lk 1,48b: „Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder“ - diese prophetische Ankündigung Mariens gründet in dem, was durch sie zum Heil der Menschen geschehen ist. Dieser Vers aus dem Lobgesang der Maria, dem Magnificat (Lk 1,46-55), weist zurück auf die beiden unmittelbar vorangehenden Perikopen, auf die Verkündigungsszene (Lk 1,26-38) und auf die Schilderung der Begegnung zwischen Elisabeth und Maria (Lk 1,39-45). Maria ist „begnadet“, von Gott in besonderer Weise auserwählt. Sie ist „Mutter meines Herrn“ (Lk 1,43), so die Anrede Elisabeths, sie ist selig zu preisen auf Grund ihres Glaubens, mit der sie die Botschaft des Engels Gabriel aufgenommen hat. Lk 11,28f.: Die Prophezeiung Mariens findet in der Seligpreisung einer un - bekannten Frau eine erste Erfüllung und in der sich anschließenden Selig - preisung Jesu zugleich eine Relativierung. Nach Jesu Auffassung sind die - jenigen selig zu nennen, die Gottes Wort hören und es bewahren. Innerhalb des Lukasevangeliums erfüllt Maria jedoch in dieser Hinsicht Vorbildfunktion: Sie tut, was Jesus fordert, indem sie Gottes Wort bewahrt (vgl. Lk 2,19.51) und ihr Vertrauen vorbehaltlos in Gottes Zusage setzt (vgl. Lk 1,38.45). Das von Lk entworfene Marienbild enthält bereits „fast alle wesentlichen Merkmale der Marienverehrung“[2 ] späterer Jahrhunderte, maßgeblich die theologischen Topoi der Jungfräulichkeit Mariens (Lk 1,27) und ihrer Rolle als Gottesgebärerin („Mutter meines Herrn“; Lk 1,43). Zugleich formuliert Lk jedoch die Grenzen einer solchen Verehrung, indem er Jesu Mutter als vorbildlich Glaubende und Gehorchende darstellt. Die Figur Mariens und die ihr geltenden Seligpreisungen dienen der Illustration göttlichen Heilshandelns in Jesus Christus. Auch im Johannesevangelium (Joh) bietet sich ein entsprechendes Bild. Ohne dass ihr Name genannt wird, erscheint Maria dort zweimal, am Anfang und am Ende, bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2) und unter dem Kreuz (Joh 19). Als exemplarisch Glaubende verweist sie auf Christus (Joh 2,5: „Was er euch sagt, das tut“). Zugleich wird durch die Figur Mariens, durch die beide Texte aufeinander bezogen sind, der Blick von Anfang an auf das Kreuz als den Ort des Heils gerichtet. Für die Evangelisten Markus und Matthäus (Mt) spielt Maria keine bzw. lediglich eine Nebenrolle. Zwar rezipiert Mt ebenso wie Lk die Vorstellung der jungfräulichen Empfängnis (vgl. Mt 1,18-25). Auch für ihn kommt Maria ein unverzichtbarer Platz innerhalb der Heilsgeschichte zu, sein vorrangiges Interesse gilt jedoch Josef. Für Paulus ist im Zuge seiner Betonung der vollkommenen Menschwerdung des Sohnes Gottes zwar wichtig, dass dieser „von einer Frau geboren und unter das Gesetz getan wurde“ (Galater 4,4). Weder die Umstände von Jesu Geburt noch seine Mutter spielen für ihn jedoch eine …
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