Hilpert, Katholische Theologie in Deutschland

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## **II - 1.2.13 Katholische Theologie in Deutschland** KONRAD HILPERT Institutionelle Rahmenbedingungen Im Unterschied zu Ländern wie Frankreich und Italien wird die katholische Theologie in Deutschland nicht nur in kirchlichen Einrichtungen betrieben, sondern hat auch einen rechtlich gesicherten und gewichtigen Platz im staatlichen Hochschulwesen. Dies bedeutet nicht bloß eine organisatorische und rechtliche Zuordnung, sondern vor allem auch, dass die Theologie im institutionellen Zusammenhang und im Austausch mit den anderen Wissenschaften betrieben wird. Als Wissenschaft weiß sich die Theologie auch dort, wo sie einen kirchlichen Auftrag erfüllt (Ausbildung von Seelsorgern, Ausbildung von Lehrern für den schulischen Religionsunterricht), den grundlegenden Erfordernissen wissenschaftlicher Arbeit, nämlich kritischer Argumentation, methodischem Vorgehen und dem Ethos der nie ans Ende kommenden Wahrheitssuche verpflichtet. Entsprechend befasst sich die Theologie sowohl mit der Sichtung, Erläuterung und Weiterentwicklung der religiösen Tradition, in die Jesus von Nazareth eingebettet ist und die von ihm ausgeht, als auch mit deren vielfältiger Wirkungsgeschichte, ihrer kulturellen und sozia len Bedingtheit und der Systematisierung der im Laufe dieser Geschichte vertretenen Glau bensvor stellungen und Denkansätze. Heute besonders wichtig ist die Frage der Tradierung des über kom menen Christentums unter den veränderten Bedingungen des Menschseins (Indi vidualisierung, Autonomie, Wissenschaft, insbesondere Biologie und Genetik), der Auffassung von Wirklichkeit (Säkularisierung), der ge sellschaftlichen Realität (weltanschauliche Pluralität, Horizont der Globalität) und der Präsenz von Religion in der Kultur („Postsäkularität“). Diese Vielfalt der Aufgaben und entsprechender besonderer Methoden, die zum Teil innerhalb der Theologie entwickelt, zum Teil von benachbarten Wissenschaften adaptiert wur den, haben eine Ausdifferenzierung der Theologie in eine Reihe von theologischen Einzeldiszi plinen nach sich gezogen. Diese lassen sich nach einer heute international üblichen Aufteilung einem biblischen, ei nem historischen, einem systematischen und einem praktischen Bereich zuord nen. Wo Theologie in einer eigenen Fakultät organisiert ist, sollte jede der einzelnen Disziplinen (nach derzeitigem Standard wenigstens 13) durch eine Professur vertreten sein. Wo Theologie hingegen zusammen mit weiteren Fächern (meist Philosophie und Geschichte) in eine Fächergruppe „Grundlagenwissenschaften“ eingefügt ist, lehnt sie sich in ihrer Struktur an diese übergeordneten Bereiche an. |Biblische Theologie<br>Altes Testament<br>Neues Testament<br>(Judaistik)|Historische Theologie<br>Kirchengeschichte des Altertums und<br>Patrologie<br>Kirchengeschichte des Mittelalters und der<br>Neuzeit<br>(Kirchengeschichte der Region oder des<br>Bistums)<br>(Theologiegeschichte)| |---|---| |Systematische Theologie<br>Philosophische Theologie<br>Fundamentaltheologie<br>Dogmatik<br>Moraltheologie<br>Christliche Sozialethik<br>(Ökumenische Theologie)|Praktische Theologie<br>Pastoraltheologie<br>(Homiletik)<br>Liturgiewissenschaft<br>Religionspädagogik<br>Kirchenrechtswissenschaft| Tendenzen und Themen Inhaltlich bedeutete das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) für die katholische Theologie weltweit wie auch in Deutschland wohl die deutlichste und offensicht lichste Zäsur innerhalb der letzten hundert Jahre. Sie selbst war maßgeblich daran beteiligt, die Reformanliegen, um die sich diese Kir - chenversamm lung bemühte, vorzubereiten und auf den Weg zu brin gen: Was kann Sinn und Auf gabe von Kirche in der heutigen Gesell schaft sein? Was be - deutet Verpflichtung zur Uni versalität in einer kulturell vielfach zerklüfteten Welt? Was ist der eigene Glaube an gesichts der vielen Ausprägungen von Christentum, was angesichts der anderen Religionen? Was bedeutet „Verheutigung“ (aggiorna mento) für die eigene Gestalt und Organisation von Kirche? Die wissenschaftliche Theologie war auch maßgeblich daran beteiligt, in der Folgezeit die Impulse dieses Konzils auf die Gegebenheiten in Mitteleuropa hin zu konkretisieren und gegen in stituti onelle und mentali täts mäßige …
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