Benke, Neue Geistliche Gemeinschaften und Bewegungen, katholisch

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II - 1.2.11 Neue Geistliche Gemeinschaften und Bewegungen, katholisch [New spiritual communities and movements, catholic] Von Christoph Benke Zusammenfassung Die katholische Kirche hat sich auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil dem Programm einer ständigen Erneuerung verpflichtet ( ecclesia semper reformanda ). Daran erinnerten stets prophetische Gestalten oder von einem radikalen Leben aus dem Evangelium inspirierte Gemeinschaften (Orden). Seit etwa 100 Jahren gibt es in der katholischen Kirche (neben den Orden) Gemeinschaften und Bewegungen, welche die Radikalität des Evangeliums und - über die Ortskirche hinaus - den universalistischen Aspekt der apostolischen Sendung neu zur Geltung bringen. Zum geistlichen Profil dieser sogenannten „Neuen Geistlichen Gemeinschaften“ und „Kirchlichen Bewegungen“ zählt die Betonung von Charismen, Communio, Laienspiritualität aufgrund von Taufe und Firmung. Es handelt sich um spirituell intensive Personalgemeinden mit dem Bestreben, auf innovative Weise Christsein in der säkularen Welt (Postmoderne, kulturelle und gesellschaftliche Diversität) zu leben und dabei Struktur und Organisation gering zu halten. Diese vom jüngeren kirchlichen Lehramt geförderten Gruppierungen führen häufig zu Spannungen und Konflikten mit der Ortskirche. Schlagwörter: Charisma, Einheit, Ekklesiologie, Erneuerung, Orden, katholische Kirche, Ortskirche, Zweites Vatikanisches Konzil, Laienspiritualität Summary At the Second Vatican Council, the Catholic Church committed itself to the programme of permanent renewal ( ecclesia semper reformanda ). This idea has always been testified by prophetic figures or by communities, which - inspired by the gospel - advocate a radical life. For about hundred years there have been (alongside religious orders) communities and movements which _**Editor: Michael. N. Ebertz**_ reaffirm the radicality of the gospel and, going beyond the local church, the universalistic quality of the apostolic mission. The spiritual profile of those so-called „New Spiritual Communities“ and „Ecclesiastical Movements“ rests on the emphasis on charismata, communio, and lay spirituality grounded in baptism and confirmation. These are spiritually intensive human resources communities that seek to innovate in the secular world (postmodernity, cultural and social diversity) while keeping structure and organization low. These groupings, which are promoted by the younger church teaching office, often lead to tensions and conflicts with the local church. Keywords: Charisma, unity, ecclesiology, renewal, order, catholic church, local church, Second Vatican Council, lay spirituality 1 Hinführung Für Kirche sind mindestens zwei Elemente wesentlich: Nachfolge Jesu und Communio. Nachfolge ist Antwort auf den Ruf Jesu und seine Botschaft vom Reich Gottes. Das Mitgehen mit dem Herrn und Meister ist konkreter Aufbruch aus dem Jetzt und Hier, Bewegung im buchstäblichen ebenso wie im übertragenen Sinn. Nachfolge Jesu geschah von Anfang an in zeichenhafter Gemeinschaft: Die persönliche Jünger schaft der Apostel stand im Dienst der endgültigen Sammlung des Volkes Gottes. Das Communiale ist somit dem Christentum eingeschrieben und bleibt zentral: Der Heilige Geist als die Gabe der Endzeit wird allen gemeinsam gegeben (und nicht einzelnen prophetischen oder amtlichen Gestalten). Nur von dorther kann ihn der einzelne empfangen. Die eucharistische Teilhabe am lebenspendenden Leib des auferstandenen Gekreuzigten formt Kirche und ist zugleich ihr Ausdruck (Paulus: „Leib Christi“). Teilhabe an der Gemeinschaft des Leibes Christi und personaler Glaubensvollzug bedingt sich gegenseitig. Unter den Bedingungen des Irdischen bleiben sowohl Aufbruch als auch Communio fragmentarisch. Auch stehen Christentum und Kirche immer neu vor der Herausforderung, bei der Übersetzung des Evangeliums ins Heute den schmalen Grat zwischen Identität und Relevanz nicht zu verfehlen. Darum ist Erneuerung aus dem Geist des Evangeliums bleibender Auftrag. Die christliche Glaubensgeschichte kennt eine Vielzahl von Gemeinschaften, Gruppen, Initiativen und Bewegungen, die sich dem Programm einer ecclesia semper reformanda (Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen Gentium 8) verpflichtet wussten. Seit etwa 100 Jahren, vermehrt jedoch in der Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil reihen sich die sogenannten „Neuen Geistlichen Gemeinschaften“ und „Kirchlichen Bewegungen“ in diesen Erneuerungsauftrag ein. Ziel der folgenden Ausführungen ist, einen ungefähren Überblick über dieses Phänomen zu geben. Neben historischen, ekklesiologischen und pastoraltheologischen Aspekten werden auch lehramtliche und soziologische Gesichtspunkte herangezogen. Manches (etwa offene Fragen des Kirchenrechts nach dem Status dieser Gemeinschaften) lässt sich nur andeuten. Die Darstellung hat dabei die …
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