Maske, Körper, Geschlecht und Sexualität in islamischen Jugendkulturen in Deutschland

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I - 34.7 Körper, Geschlecht und Sexualität in islamischen Jugendkulturen in Deutschland. Fallbeispiele, Desiderate und gendertheoretische Überlegungen aus religionswissenschaftlicher Perspektive [Body, gender, and sexuality in Islamic youth cultures in Germany. Case studies, desiderata, and gender-theoretical considerations from a study of religions perspective] Verena Maske Zusammenfassung Auf Grundlage ethnographischer Feldforschung wird in diesem Beitrag der Umgang mit Körper, Geschlecht und Sexualität in der islamischen Jugendkultur des Pop-Islam im deutschsprachigen Raum thematisiert. Dieser wird als identitätspolitische Positionierung und Distinktion sowohl gegenüber der Mehrheitsgesellschaft als auch innerhalb des Islam analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Ansprüche auf Selbstbestimmung zugleich emanzipatorische Spielräume und selbst auferlegte Normierungen hervorbringen. Diese Dynamiken stehen in engem Zusammenhang mit den spezifischen Anforderungen der Jugend als Entwicklungsphase und als gesellschaftliche Projektionsfläche. Besonderes Augenmerk liegt auf jungen weiblichen Körpern als zentralen Orten, an denen Geschlechterrollen und Sexualitätsnormen ausgehandelt und für religiöse Distinktionsprozesse mobilisiert werden. Dies bietet eine exemplarische Grundlage für theoretische Einordnungen und Überlegungen sowie die Benennung von Forschungsdesideraten im Bereich religionswissenschaftlicher Geschlechterforschung. Schlagwörter: Körper, Geschlecht, Sexualität, islamische Jugendkulturen, religionswissenschaftliche Geschlechterforschung Submitted August 25, 2025, and accepted for publication September 22, 2025 Editors: Doris Decker, Marita Günther, Verena Maske Summary Based on ethnographic fieldwork, this contribution analyzes the negotiation of body, gender, and sexuality within the Islamic youth culture of Pop-Islam in the German-speaking context. These practices are examined as forms of identity-political positioning and distinction in relation to the majority society and other Islamic currents. The findings demonstrate that claims to self-determination simultaneously generate emancipatory spaces and selfimposed norms. These dynamics are closely intertwined with the specific demands of youth as a developmental phase and as a societal projection surface. Particular attention is given to young female bodies as central sites where gender roles and norms of sexuality are negotiated and mobilized for processes of religious distinction. This provides an exemplary basis for theoretical contextualization and reflection, as well as for identifying research desiderata in the field of gender approaches in the study of religions. Keywords: Body, gender, sexuality, Islamic youth-cultures, gender approaches in the study of religions 1 Einleitung Geschlechterrollen, insbesondere von kopftuchtragenden Musliminnen, sowie der Umgang mit Sexualität im Islam werden oft zum Gegenstand von Integrationsdebatten und gelten als Gradmesser von Modernität und Integrationsfähigkeit.1 Auch in säkularen wie islamischen Jugendszenen, denen junge Musliminnen angehören, spielen der Umgang mit Körper, Sexualität und Geschlecht als Gegenstand von Aushandlungsprozessen eine zentrale Rolle. Wissenschaftlich werden Haltungen zu diesem Konnex von jungen Musliminnen in verschiedenen Disziplinen und sowohl aus der Perspektive - von Identitäten als auch von Fremdzuschreibungen aufgegriffen. Trotz wichti ger und erhellender Untersuchungsergebnisse bestehen zahlreiche Desiderate, zum einen, weil die verschiedenen Perspektiven kaum aufeinander bezogen werden, zum anderen, weil Schwierigkeiten im forschungspraktischen Zugang bestehen. Der vorliegende Beitrag gibt vor diesem Hintergrund Einblicke in Körperpraktiken, Geschlechterkonstruktionen und Normierungen von Sexualität in der Jugendkultur des Pop-Islam und nutzt diese für theoretische Überlegungen sowie die Herausarbeitung von Desideraten zum Themenfeld. Aus religionswissenschaftlich-gendertheoretischer Perspektive werden Normierungen, Tabuisierungen und Emanzipationsspielräume bezogen auf diesen Konnex herausgearbeitet. Fragen des Umgangs mit Körper, Sexualität und Geschlecht werden als identitätspolitische Positionierung und Distinktionsmarker gegenüber der deutschen Mehrheitsgesellschaft, aber auch gegenüber anderen islamischen Strömungen analysiert und sich daraus ergebende systematische Frageperspektiven der gendertheoretischen Religionswissenschaft erörtert. Grundlage der empirischen Einblicke im zweiten Kapitel ist eine Feldforschung im Kontext des Vereins Muslimische Jugend in Deutschland (MJD) als einem Bestandteil der als Pop-Islam beschriebenen jugendkulturellen Szene von 2007 bis 2013, mit teilnehmender Beobachtung an lokalen und überregionalen Veranstaltungen, Interviews mit Akteurinnen des Vereins und einer Sichtung der in der Szene präsenten jugendkulturellen Erzeugnisse wie Songs, Bücher und YouTube-Videos. Damit bestand ein Zugang …
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