I - 34.1 Wer nicht mehr weiter weiß … Genderforschung institutionalisieren und der DVRW-Arbeitskreis Gender und Religion1 [If you don't know what to do next … Institutionalizing gender research and the DVRW working group on gender and religion] Benedikt Bauer & Kristina Göthling-Zimpel
Zusammenfassung
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Institutionalisierung von Genderforschung innerhalb der Religionswissenschaft. Hierzu wird der Arbeitskreis Gender und Religion in seiner Genese, seinen Aktivitäten und seiner Ausrichtung vorgestellt. Als Arbeitskreis innerhalb der Deutschen Vereinigung der Religionswissenschaft (DVRW), die wiederum als bestimmend für die religionswissenschaftliche Forschung im deutschsprachigen Raum anzusehen ist, bietet der AKGR eine sichtbare Plattform für religionsbezogene Genderforschung. Indem der Beitrag auf die Perspektive des AKGR fokussiert, ist er bewusst eklektisch und bildet nicht das gesamte Spektrum des Forschungsfeldes ab.
Schlagwörter: Genderforschung, Institutionalisierung, Arbeitskreis, Netzwerk
Summary
This contribution deals with the institutionalization of gender research within religious studies. To this end, the working group Gender and Religion is presented in its genesis, its activities and its approach. As a working group within the German Association for the Study of Religion (DVRW), which in turn is to be regarded as a formative institution for religious studies research in German-speaking countries, the AKGR offers a visible platform for religion-related gender research. By focussing on the perspective of the AKGR, the article is deliberately eclectic and does not represent the entire spectrum of the research field.
Submitted March 5, 2025, and accepted for publication April 4, 2025 Editors: Doris Decker, Marita Günther, Verena Maske
Keywords: Gender research, institutionalization, working group, network
1 Ausgangssituation
Der Arbeitskreis Gender und Religion wurde 2019 von Benedikt Bauer, Kristina Göthling-Zimpel und Anna-Katharina Höpflinger im Rahmen der Deutschen Vereinigung für Religionswissenschaft gegründet und formal anerkannt. Die Gründung des Arbeitskreises sollte dabei der Institutionalisierung von religionsbezogener Genderforschung und genderbezogener Religionsforschung dienen, denn während „smallscale, ethnographic studies have been most likley to recognize the significance of gender“2 , fehlte in der Religionswissenschaft ein Blick auf Gender, der zudem theoretisch gerahmt wurde. Standardwerke wie Blickwechsel von Donate Pahnke,3 die die Sonderstellung von Frauen in Religion und Wissenschaft thematisierten, ebneten den Weg für die nun weitestgehend herrschende Einigkeit „hinsichtlich der Relevanz von gender als Analysekategorie“4 . Doch auch in gegenwärtiger religionswissenschaftlicher Forschungsliteratur ist eine Genderperspektive noch immer keine Selbstverständlichkeit, sondern eher eine - immer wieder von unterschiedlichsten Akteur*innen reproduzierte - marginale Position. Diskursprägend ist aktuell hingegen der Sammelband Religion und Geschlecht5 , der die vielfältige Verschränkung von Religion und Gender einerseits auf systematischer, andererseits auf materieller Ebene anhand von Beispielen rezenter und historischer Religionen aufzeigt. Gleichzeitig wurde und wird auch z. T. von einer Religionsblindheit innerhalb der Gender Studies gesprochen.6 Diese Feststellung bedeutet, „die“ Religionswissenschaft sei per se nicht an Genderaspekten interessiert, „der“ Feminismus bzw. die Genderforschung nicht an der Kategorie „Religion“. Die Religionsblindheit der Gender Studies und umgekehrte Genderblindheit der Religionswissenschaft überraschen mit Blick auf die aktuellen öffentlichen Debatten: Sexualität, Normativität und Religion sind grundlegende Fragen von Diskussionen um Abtreibung oder Zölibat. Machtprozesse rund um Körper kommen nicht nur bei der Frauenordination in der römisch-katholischen Kirche und in Fragen rund um islamische Frauenbekleidung zur Sprache, sondern z. B. auch bei den gegenwärtigen und historischen Haltungen von Religionen zu LGBTQIA+ zum Tragen. Nicht nur die gegenwärtige Verschränkung von Gender und Religion liegt im Fokus gendersensibler Religionswissenschaft, auch eine religionsgeschichtliche Erforschung genderzentrierter Thematik ist nötig, um der bestehenden und gegenseitigen Religions- und …
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Der vollständige Artikel umfasst 8 Seiten
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