Ebertz, Gotteshäuser an der Autobahn

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Orte für religiöses Gedenken Gotteshäuser an der Autobahn Michael N. Ebertz Autobahnen gehören vermutlich - neben den Banken und Börsen - zu denjenigen Sozialstrukturen, die am stärksten säkularisiert sind.1 Und doch siedeln sich an diesem hochgradig verweltlichten „Ort automobiler Inklusion“2 Gebäude an, die als architektonische Räume spezifisch religiöser, ja christlicher Art erkennbar sind. Sie gelten einigen als ausgezeichnete Form missionarischer Präsenz der Kirchen in der säkularen ‚Welt‘, sozusagen als Zeichen eines Gegenprogramms zu einem einseitigen kirchlichen „Entweltlichungs“-Postulat.3 Aber ist das so? In einer der über 30 deutschen Autobahnkirchen (ABK) - derzeit 15 Autobahnkapellen und 24 Autobahnkirchen - kann man ganz allein sein, aber auch viele Menschen finden, die ihre Fahrten unterbrechen. Die Wahrscheinlichkeit, dort einem jungen Mann zu begegnen, ist größer als die Wahrscheinlichkeit, eine junge Frau anzutreffen. Unter den Besuchern der ABK dominieren Männer, und zwar in allen Altersklassen, besonders aber unter den Jungen, den 30- bis 39-Jährigen und den 18- bis 29-Jährigen, die sich auch hier einfinden können. Unter den über 60-Jährigen sind ebenfalls mehrheitlich Männer anzutreffen, aber in dieser Altersklasse ist der höchste Frauenanteil zu finden ( Abb. 1 ). Dass Kirchengebäude zu „Männerdomänen“ werden, ist in den Gemeindekirchen Alter nach Geschlecht ==> picture [297 x 97] intentionally omitted <== ----- Start of picture text -----<br> 70,0 %<br>60,0 %<br>50,0 %<br>40,0 % weiblich<br>30,0 % männlich<br>20,0 %<br>10,0 %<br>0,0 %<br>18-39 J. 40-59 J. 60 J.+<br>----- End of picture text -----<br> Abb. 1: Besucher Autobahnkirchen eher selten der Fall, hängt aber freilich auch mit der Tatsache zusammen, dass die bundesdeutschen Autobahnen eher Männern frequentiert werden. Die Wahrscheinlichkeit, in der Autobahnkirche ältere Menschen anzutreffen, ist allerdings ebenfalls größer als die Wahrscheinlichkeit, dort jungen Menschen zu begegnen. Unter den Besuchern der Autobahnkirchen herrschen - wie auch in den meisten anderen Kirchengebäuden - die über 50-Jährigen vor. Zwei Drittel derer, die das Zentrum für kirchliche Sozialforschung (ZEKIS) an der Katholischen Hochschule Freiburg vor einigen Jahren an den meisten deutschen Autobahnkirchen antraf und befragen konnte, waren Ende der 1950er-Jahre oder früher geboren. 43 % aller Besucher und Besucherinnen waren 60 und älter. Dieser Befund entspricht dann schon eher der üblichen Zusammensetzung der Gottesdienstbesucherschaft in den Gemeindekirchen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, gebildeteren Menschen zu begegnen, innerhalb der Autobahnkirchen größer als außerhalb. Unter ihren Besuchern dominieren die Personen mit mittlerer und höherer Bildung. Ihr Bildungsabschluss ist, gemessen am Bildungsniveau der Wohnbevölkerung, überdurchschnittlich. Jedenfalls sind die Personen mit einfachen Bildungsabschlüssen (Volks-/Haupt-/Sonderschule) in den Autobahnkirchen mit 29 % unterrepräsentiert (Bundesdurchschnitt: 45 %). Auch hinsichtlich der Berufsausbildung sind unter den Autobahnkirchenbesuchern und -besucherinnen Personen mit höheren Abschlüssen überrepräsentiert: Gut 38 % verfügen über ein akademisches Zeugnis (Bundesdurchschnitt: 12 %). Die Wahrscheinlichkeit, in einer Autobahnkirche auf Verheiratete zu stoßen, ist höher als die Wahrscheinlichkeit, Ledige, Verwitwete oder Geschiedene an zutreffen. Mehr als drei Viertel der Besucherinnen und Besucher (77 %) haben auch Kinder. Die Verheirateten sind damit im Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt (48 % der dt. Bev. / 42 % der …
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