Müller, Sport und Unsterblichkeit

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**I - 20.3 Sport und Unsterblichkeit**[1] Von Arno Müller Der Tod hat noch keinen vergessen. Der Tod hat sich einmal den Arm gebrochen, und was war: Die Leut’ sind von selber gestorben. Schenkt man diesen Sprichwörtern Glauben, so ist die Unsterblichkeit lediglich eine vage Hoffnung - nicht mehr und nicht weniger. Goethe sieht bereits im reinen Umgang mit der Idee der Unsterblichkeit schon etwas Verwerfliches: „Die Beschäftigung mit Unsterblichkeitsideen ist für vornehme Stände und besonders für Frauenzimmer, die nichts zu tun haben. Ein tüchtiger Mensch aber, der schon etwas Ordentliches zu sein gedenkt und der daher täglich zu streben, zu kämpfen und zu wirken hat, lässt die künftige Welt auf sich beruhen und ist tätig und nützlich in dieser“.2 Geschichtlich betrachtet lassen bereits um 80.000 v. Chr. - die Zeit des Auftretens der Neandertaler in Europa - rituelle Begräbnisse auf einen Glauben an ein Leben nach dem Tod schließen. Insbesondere die Pyramiden der Ägypter zeugen von einem ausgeprägten Vertrauen auf ein jenseitiges Leben.3 Dass der Unsterblichkeitsgedanke aber auch gerade für den Bereich des Sports von Interesse sein kann, bestätigt unter anderem der Aufsatz von Karen Joisten: Wenn Gott den Ball versenkt. Ein Versuch über den Versuch des Sportlers, die Sterblichkeit zu besiegen .4 Und auch bei Howard S. Slusher finden wir eine Aussage, die deutlich auf den Unsterblichkeitsgedanken verweist. Er meint, dass die Suche nach Vollkommenheit im Sport zugleich auch Suche nach Ewigkeit sei.5 Hingegen behauptet Jean-Marie Brohm, dass im Sport lediglich ein Unsterblichkeits-Mythos konstruiert werde: „Le sport constitue ansi une métaphysique du temps et une ontologie de l’au-delà du temps, de l’espace, du corps, une récusation idéologique de l’irrévocable, de l’irréversible, un fantasme de survie et finalment un mythe d’amortalité.“6 Unsterblichkeit aus philosophischer Sicht Die Ursprünge des Nachsinnens über Unsterblichkeit können in den religiös motivierten Seelenwanderungsmythen gesehen werden. Speziell im Hinblick auf philosophisches Denken entwickelte sich eine Vielzahl von Unsterblichkeitsvorstellungen, die sich primär auf den Aspekt Unsterblichkeit der Seele konzentrierten.7 Während zum Beispiel die pythagoreische Lehre die Seelenwanderung in den Blick nahm, war es Platon, der als Erster philosophisch fundierte Reflexionen über die Unsterblichkeit der Seele anstellte. Für Aristoteles war es hingegen nur ein Teil der Seele, der Unsterblichkeit beanspruchen könne. In der Nachfolge von Thomas von Aquin waren es im neuzeitlichen Denken Leibniz und Kant, die den Unsterblichkeitsgedanken aufgriffen. Stellvertretend für die zeitgenössische Philosophie sind bei Thomas Nagel Betrachtungen über die Unsterblichkeit zu finden.8 Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über Unsterblichkeits vorstellungen innerhalb der Philosophie gegeben werden, unter Bezugnahme auf das Historische Wörterbuch der Philosophie , jedoch ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr wird der Blick auf den Aspekt gelenkt, Unsterblichkeit möglicherweise durch das Hinterlassen von Werken zu erlangen. Idealtypisch ist Unsterblichkeit zwar zu unterscheiden von einem „Weiterleben nach dem Tod“9 in einem besonderen Totenreich oder etwa im Gedächtnis der Nachwelt beziehungsweise in den Nachkommen selbst oder in sonstigen körperlichen Werken (zum Beispiel Büchern, Bauwerken etc.). Das Weiterleben nach dem Tod lenkt den Blick auf das Schicksal der Toten, wohingegen der Unsterbliche vom Totsein gänzlich befreit ist. Da eine generelle Befreiung vom Totsein in diesem Aufsatz nicht postuliert wird, soll hier der Begriff „Unsterblichkeit“ auch für den Fall des Weiterlebens durch Werke Verwendung finden. Grundsätzlich, bezogen auf das Verhältnis Mensch - Welt, lassen sich frühgeschichtlich drei Einstellungen zum Tod und somit auch zur Unsterblichkeit voneinander unterscheiden: a) die Verwehrung der Unsterblichkeit, b) die bedingte Vorenthaltung der Unsterblichkeit und c) die bedingte Zuschreibung der Unsterblichkeit. Wirft man einen Blick zurück auf die bekannten Kulturen der Alten Welt, so kann man Israel und Mesopotamien dem erstgenannten Typus zuordnen, Griechenland dem zweiten und Ägypten dem dritten Typus.10 Bei Typ b) findet sich bereits die „Hoffnung auf Fortdauer im sozialen Gedächtnis“11 . Solche Fortdauer sei indes noch keine Unsterblichkeit, sondern nur eine „erstrebenswerte Form des Totseins“.12 Nichtsdestotrotz ist der Aspekt der Fortdauer im sozialen Gedächtnis die für den Sport überwiegende Form der angestrebten bzw. erreichbaren Unsterblichkeit, auch wenn bei dieser Form der Fortdauer im Zusammenhang mit dem frühgeschichtlichen Unsterblichkeitsbegriff (im engen Sinn) noch nicht von „Unsterblichkeit“ gesprochen wird.13 Bei den Vorsokratikern und frühen Dichtern wie Hesiod und Homer war die Bezeichnung die Unsterblichen ein Synonym für die Götter. Und bereits Pindar - bekannt …
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