Schulte, Herzog, Markwart (Hg.): Memorialkultur im Fußballsport. Medien, Rituale und Praktiken des Erinnerns, Gedenkens und Vergessens

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Herzog, Markwart (Hg.): Memorialkultur im Fußballsport. Medien, Rituale und Praktiken des Erinnerns, Gedenkens und Vergessens Von Andrea Schulte Herzog, Markwart (Hg.): Memorialkultur im Fußballsport. Medien, Rituale und Praktiken des Erinnerns, Gedenkens und Vergessens, Stuttgart 2013 (Band 17 der Reihe „Irseer Dialoge. Kultur und Wissenschaft interdisziplinär“, hg. Markwart Herzog / Sylvia Heudecker, Schwabenakademie Irsee) € 29,90, 447 Seiten ISBN 978-3-17-022554-1 Im Rahmen ihrer etablierten Reihe „Sterben, Tod und Jenseitsglaube“ widmete sich 2012 die Schwabenakademie auf ihrer zehnten Konferenz erstmalig der Erinnerungskultur im Fußballsport. Der Band analysiert mit seinem bunten Spektrum an Beiträgen zur Memorialkultur im Vereinsfußball die Vielfalt der Objekte, Handlungen, Erinnerungsformen und Medien, die das „kollektive Gedächtnis“ des in Verbänden organisierten Fußballspiels bilden. Fußballvereine, deren Geschichte teilweise bis in das 19. Jahrhundert zurückreicht (in Deutschland 1874 in Braunschweig), haben die unterschiedlichsten kulturellen Felder der Erinnerung herausgebildet, „die ein kollektives historisches Bewusstsein konstituieren, das die Vereine und Verbände als integralen Bestandteil in ihre ‚corporate identity‘ aufnehmen sowie durch Merchandisingprodukte und die Kommunikation von Emblemen, Logos und Symbolen strategisch gezielt vermarkten.“1 Der Sammelband umfasst neben einer ausführlichen, aus zwei Beiträgen bestehenden Einleitung die Themenschwerpunkte Vereine und Verbände, Fankulturen, „Soccer Topophilia“: Stadion & Museum sowie Politische Vereinnahmung & „memoria damnata“, die allesamt von ausgewiesenen und renommierten Sporthistorikern, Kulturwissenschaftlern und Religionssoziologen aus dem deutsch- und englischsprachigen Raum bearbeitet wurden. Mit ihren einleitenden Beiträgen sensibilisieren Markwart Herzog (Erinnern, Gedenken und Vergessen im Fußballsport: Visuelle Praktiken und akustische Medien - schriftliche Überlieferung - soziale Praktiken) und Sven Güldenpfennig (Tod im Sport oder Tod von Sportlern? Über den Gegenstand sportbezogener Memorialkultur) für die Vielfalt der Untersuchungsgegenstände zur Erinnerungskultur im deutschen Sport, benennen Forschungsdesiderate zum Beispiel in den Bereichen sepulkralkultureller Medien und Praktiken der Fußballszenen und formulieren skeptische Nachfragen und kritische Anfragen an das Projekt „Memorialkultur im Fußballsport“. Zu den Themenschwerpunkten im Einzelnen _Vereine und Verbände_ Die Beiträge dieser Sektion beziehen sich auf die in der Kulturgeschichte des Sports bislang kaum bearbeitete Memorialkultur des deutschen Vereinssports, die erinnerungskulturelle und nationalgeschichtliche Integration des Vereinsgründers von FC Barcelona sowie das kulturhistorisch interessante Genre der Jubiläumsschriften. Matthias Thoma („Wer mit dem Adler fliegt - der auch den Tod besiegt“) bedenkt die Gedenk- und Trauerkultur bei Eintracht Frankfurt. Er dokumentiert eindrücklich, wie der Verein die Trauer um verstorbene Mitglieder (und zunehmend auch den Abschied von langjährigen Fans), das Gedenken an Tote, die Ehrung der Helden von einst in schriftlichen Denkmälern (Nachrufen in Vereinsorganen, Totenehrungen in Festschriften, Feldpostbriefen als Form des Umgangs mit Kriegsgefallenen, Stolpersteinverlegungen), durch Formen der Erinnerung im Spiel (Rahmenprogramm, Trauerflor, Schweigeminute) sowie Orte der Erinnerung (Gedenktafel, Totenmal) zum Ausdruck bringt und vollzieht. Christian Eberle („Protestant - Katalane - Ikone“) erinnert an Hans „Joan“ Gamper (1877-1930), den Gründungsvater des FC Barcelona und zeigt auf, wie Gamper nach seinem Tod in die katalanische Geschichte und Memorialkultur integriert wurde. Eberles Resümee: „Gamper lebt in der …
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