Reinhold Bernhardt/Perry Schmidt-Leukel (Hg.): Beiträge zu einer Theologie der Religionen
REINHARD KIRSTE
Band 1 Reinhold Bernhardt/Perry Schmidt-Leukel (Hg.): Kriterien interreligiöser Urteilsbildung Beiträge zu einer Theologie der Religionen TVZ, Zürich 2005 274 Seiten, Personenregister
Die beiden Herausgeber hatten im Oktober 2004 zu einer Konferenz bei Basel eingeladen, um angesichts der Verstehensprobleme im interreligiösen Dialog nach und nach eine Kriteriologie interreligiöser Hermeneutik zu entwickeln. Dies ist umso notwendiger, als es nicht nur um Verstehen-Wollen, sondern auch um Prüfung von Voraussetzungen, Vorurteilen und Heilsansprüchen geht. Man merkt den Autoren dieses Bandes an, dass sie nicht mehr bereit sind, bestimmte theologische Positionen, besonders die des religiösen Pluralismus, im Interesse der eigenen Heilswahrheit negativ zu qualifizieren.
Die Debatte um die hermeneutischen Kriterien bewegt sich also zwischen Realismus und Relativismus, wie der Münchner katholische Fundamentaltheologe Armin Kreiner schreibt. Andreas Renz, Dialogbeauftragter des Bistums Hildesheim, beruft sich bei seiner Kriterienfindung sowohl auf die Aussagen des Koran mit den indirekten Parallelen in Nathan dem Weisen, interessanterweise unter Berücksichtigung katholischer Lehraussagen wie auch islamsicher Denker. Perry Schmidt-Leukel von der Universität Glasgow möchte die Unvergleichbarkeit bestimmter Lehren in Christentum und Bud - dhismus zugunsten einer Komplementarität im Stile wechselseitiger Beurteilung lösen. Ulrich Winkler von der Universität Salzburg stellt die Erwählung Israels und das Wahre und Heilige des Judentums anderen Religionen gegenüber und weist damit auf die vorhandene Pluralismusfähigkeit, die letztlich alle Religionen kriteriologisch vorweisen müssten. Wie Armin Kreiner versucht auch der kölner katholische Theologe Klaus von Stosch den Aufbau einer interreligiösen Kriteriologie als wesentlich für künftige Dialoge anzusprechen. Reinhold Bernhardt bietet ebenfalls einen fundamentaltheologischen Ansatz, der manchmal stärker inklusivistisch und manchmal stärker pluralistisch wirkt, jedoch unbedingt Überlegenheitsansprüche einzelner Religionen abblocken muss. Günther Gebhardt von der Stiftung Weltethos hält sich bewusst an die ethischen Ausformungen und Auswirkungen von Religionen. Er kann dadurch den Weltethos-Ansatz Küngs als ein interreligiöses Kriterium
unter mehreren einbringen. Michael Hüttenhoff, evangelischer Systematiker an der Universität Saarbrücken, erarbeitet Ähnlichkeiten in den Verschiedenheiten an einem der christlichen Zentralbegriffe, der Gnade, und spiegelt ihn an mehreren anderen Religionen. Stephan Peter Bumbacher, Sinologe an der Universität Tübingen, zeigt auf, dass die gegenwärtig angestoßene Debatte um die interreligiöse Kriteriologie einen spannenden Vorläufer zwischen Bud - dhismus und Taoismus im mittelalterlichen China hat, wobei die Diskutanten zu durchaus unterschiedlichen Ergebnissen kommen können. Einen ungewöhnlichen, aber notwendigen Aspekt bringt der bereits als interkultureller Theologe ausgewiesene Claude Ozankam von der Universität Salzburg ein: Magie als religiöse Wissensform, das bedeutet, nicht nur westlich aufklärerische Faktoren müssen bei den Kriterien für religiöse Urteilsbildung beachtet werden, sondern die Begegnung des Christentums mit den traditionalen Religionen Afrikas gehört zu notwendigen Verstehensvoraussetzungen. Das heißt dann auch, dass Magie mehr ist als die Negativfolie einer aufgeklärten Religion. Das Geheimnisvolle bleibt jeder Religion inhärent. Es gibt keine noch so magische Verfügungsgewalt über das Göttliche, aber Wunder verweisen auf die in den Alltag hinein wirkende Realität von Gnade.
Schaut man die Beiträge genauer auf die Referenzen durch, die die Autoren auch in großer …
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Der vollständige Artikel umfasst 6 Seiten
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