Die Communauté von Taizé[1]
PETER ZIMMERLING
Zusammenfassung
In seinem Artikel „Die Communauté von Taizé“ geht Autor Peter Zimmerling der Geschichte und Theologie des ökumenischen Männerordens auf den Grund, der die monastische Spiritualität im Protestantismus erneuerte. Vom evangelischen Gründer Frère Roger geprägt, führt nun der katholische Theologe Frère Alois als Prior das Erbe seines Vorgängers fort. Auch heute noch will die Communauté in ihrer gemeinschaftlichen Ausrichtung auf Christus ein konkretes Zeichen der Versöhnung und Liebe unter der gespaltenen Christenheit sein. Beachtenswert ist, wie die Brüder in ihrer Gemeinschaft Ökumene untereinander leben, ohne mit der jeweils eigenen Tradition zu brechen. Taizé zieht jährlich zahlreiche Jugendliche unterschiedlicher Denomination und Herkunft an. Sie lassen sich auf die täglichen Gebete mit den typischen meditativen Taizé-Gesängen , das gemeinsame Hören auf das Wort Gottes und auf den von den Brüdern vorgelebten einfachen Lebensstil ein, was nicht selten Einfluss auf die persönliche Lebenseinstellung der Jugendlichen hat.
Schlagwörter: Ökumenische Kommunität, Frère Roger, Gemeinschaft, Taizégebete/-gesänge, Jugendtreffen
Summary
The author Peter Zimmerling explores the history and theology of the ecumenical masculine monastic order in his article "The Communauté of Taizé", which renewed the monastic spirituality in Protestantism. Initially characterized by the protestant charismatic founder Frère Roger, the catholic theologian Frère Alois, as the prior, continues the legacy of his predecessor. Even today, the Communauté aims in its communal orientation towards Christ, to be a concrete sign of reconciliation and love for the different division in Christianity. It is worth noting, how the brothers live together in their communal ecumenism without breaking their own tradition. Taizé attracts numerous youngsters of different denominations and origins every year. They commit themselves to daily prayers with the typical meditative Taizé chants,
the study of the word of God and the simple life-style of the brothers, which have a profound influence on their personal attitude towards life.
Keywords: Ecumenical monastic order, Frère Roger, Community, Taizé Prayers, Youth Meetings
Einleitung
Taizé ist die erste Kommunität,2 die im vergangenen Jahrhundert im Raum des Protestantismus in der Traditionslinie vorreformatorischer Orden entstand. Dass es bis heute die bedeutendste Kommunität geblieben ist, verdankt sie nicht zuletzt den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern und der medialen Resonanz. Fünf- bis sechstausend Jugendliche und junge Erwachsene unterschiedlichster kirchlicher Herkunft und Nationalität, längst nicht bloß aus Europa, bevölkern vor allem in den Sommermonaten das Gelände, um an den gemeinsamen Gebetszeiten, Gottesdiensten und Bibelarbeiten teilzunehmen.
Im Folgenden soll zunächst Taizé als Prototyp der Rückkehr monastischer Spiritualität in den Raum des Protestantismus dargestellt werden. In einem nächsten Punkt ist die Geschichte von Taizé zu skizzieren. Dem schließt sich eine Darstellung der zentralen Merkmale seiner Spiritualität und Theologie an. Dann ist der Einfluss von Taizé auf die Spiritualität von Jugendlichen zu untersuchen. Schließlich soll seine ökumenische Bedeutung herausgearbeitet werden.
Taizé - Prototyp monastischer Spiritualität im Protestantismus
Als ein in der Geschichte der evangelischen Kirche neues Phänomen, stellt Taizé den Prototyp der Erneuerung monastischer Spiritualität im Protestantismus dar. In ekklesiologischer Hinsicht bedeutete dies die Wiederkehr der vierten Sozialgestalt von Kirche in den protestantischen Raum.3 Nach dem Verschwinden der Orden im Gefolge der Reformation entstanden im Gefolge des Zweiten Weltkriegs evangelische Kommunitäten, deren Mitglieder nach den sog. evangelischen Räten (Ehelosigkeit, Besitzlosigkeit, Gehorsam) zusammenlebten. Den evangelischen Kirchen in Deutschland fiel es zunächst schwer, mit diesem neuen Phänomen umzugehen. Auch wenn es bald eine Vielzahl von deutschen kommunitären Gründungen gab, erfolgte erst rund 30 Jahre später deren Anerkennung von Seiten der offiziellen Kirche. 1979 vollzog die EKD mit ihrer Denkschrift
„Evangelische Spiritualität“ einen tiefgreifenden Paradigmenwechsel. Sie brach - vorbehaltlos - mit ihrer aus der Reformationszeit herrührenden Ablehnung monastischer Lebensformen. Die Studie geht davon aus, dass Kommunitäten eine legitime Ausprägung biblisch-reformatorischen Christseins darstellen und würdigt sie als Orte spiritueller Übung und Erfahrung:
„In neuerer Zeit sind Kommunitäten und Einkehrhäuser für viele zu ‚Gnadenorten‘ geworden. Diese Entwicklung sollte gefördert werden.“4
Die Bischofskonferenz der VELKD hatte diesen Schritt schon einige Jahre vorher getan.5
Stationen der Geschichte der Communauté von Taizé
Die Geschichte der ökumenischen Communauté von Taizé ist untrennbar mit ihrem …
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Der vollständige Artikel umfasst 17 Seiten
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