Niesing, Die Religiösen Kinderwochen der katholischen Kirche

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Die religiöse Landschaft in der DDR und in den Neuen Ländern Die Religiösen Kinderwochen der katholischen Kirche Von Theresia Niesing Die Religiösen Kinderwochen (RKW) waren eine Form der Glaubensunterweisung der katholischen Kirche in der SBZ/DDR, die ganz selbstverständlich in den Neuen Bundesländern beibehalten wurde. In den Schulferien wurde und wird Kindern etwa im Alter von sechs bis zwölf Jahren die Möglichkeit geboten, über die gemeindliche Katechese und den Religionsunterricht hinaus Glaubensleben und Glaubensinhalte in Gemeinschaft Gleichaltriger im Bereich der Kirche erschlossen zu bekommen, zu leben und zu erleben. Dafür werden die Kinder an durchschnittlich fünf Tagen an zentralen Orten zusammengeführt. Neben religiöser Unterweisung, dem gründenden Element im Tagesablauf, liegt seit jeher ein ebenso wichtiges Hauptaugenmerk auf der praktischen Erschließung und Anwendung der thematischen Inhalte durch die Kinder selbst, den gemeinsamen Gottesdiensten und Mahlzeiten und selbstverständlich der spielerischen und kreativen Betätigung. Ein Tag einer RKW gliedert sich zumeist in folgende Einheiten: Gottesdienst, Frühstück, Katechese, Spiel, Mittagessen und anschließende Nachmittagsgestaltung mit Kaffeepause. Beendet wird die RKW traditionell mit einem Abschlussfest am Ende der Woche, zu dem die gesamte Gemeinde eingeladen ist. Von Anfang an standen diese Wochen unter einer für alle Jurisdiktionsbezirke und Bistümer einheitlichen Grundthematik. Jeder Tag stellt einen Schritt zur Erarbeitung des Wochenthemas dar und steht somit jeweils unter einem eigenen Leitgedanken, der wiederum durch die einzelnen Tagesabschnitte entfaltet wird. Weil den RKW als Entstehungs- und Entwicklungsgrund die SBZ/DDR-spezifische Situation der katholischen Kirche zugrunde lag, sollen im Folgenden ein chronologisch konzipierter Abriss ihrer konzeptionellen und praktischen Ausgestaltung und eine Darstellung ihrer pastoralen Bedeutung im Zeitraum von 1945 bis 1989 erfolgen. Entstehung und Entwicklung der RKW: Vom Beheimatungskonzept zu einer spezifischen Form von Diasporaseelsorge Die chronologische Darstellung erfolgt anhand ihrer Entwicklung, innerhalb derer sich vier Phasen ausmachen lassen: Konstituierung (1946/47), Konsolidierung (1949-1957), Profilierung (1958-1971) und Professionalisierung (ab 1972). Ein exakter Zeitpunkt, wann es zur Konstituierung der RKW kam, lässt sich nicht mehr eruieren.1 Zweifelsfrei kann jedoch konstatiert werden, dass deren Ursprung in der besonderen Situation nach dem Zweiten Weltkrieg im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands lag. Angesichts der nachkriegsbedingten desolaten physischen und psychischen Lage vieler Menschen richtete sich ein Großteil der Erwartungen auf die christlichen Kirchen. Sie waren in ihren Strukturen weitgehend intakt geblieben und somit zur Soforthilfe imstande. Auf katholischer Seite war es „die Caritas, die sofort ans Werk ging“.2 Ihre vorrangige Aufgabe lag folglich in der „Behebung der seelischen und leiblichen Not“ der Ärmsten jener Tage: der Hungernden, der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen.3 Infolge von Flucht und Vertreibung war es zu einem enormen Anstieg der Katholikenzahl in diesem Gebiet Deutschlands gekommen.4 Auf ihre „seelische und leibliche“ Betreuung richtete sich nun der Fokus kirchlicher Aktivitäten. Dabei zeichnete sich innerhalb des karitativen Wirkens folgende Akzentsetzung ab: „Besonders sind es die Kinder, die durch die letzten schweren Jahre gesundheitlich mehr gelitten haben, sodass viele von ihnen noch heute schlecht entwickelt und durch die Tuberkulose gefährdet sind. Sie brauchen dringend Erholung und kräftigende zusätzliche Nahrung.“5 In dieser Situation griff man auf die fürsorgerischen Erfahrungen aus der Zeit vor 1945 zurück und initiierte örtliche Erholungen für Kinder und Jugendliche.6 Schnell begann man in Anbetracht der zunehmend virulent werdenden „seelischen Not“ der Kinder, die sich konsolidierenden örtlichen Erholungszeiten auch als Zeit der Glaubensunterweisung zu nutzen.7 Die doppelte Diasporasituation (konfessionelle und ideologische Minderheit), in welcher sich die katholische Kirche in der SBZ und späteren DDR vorfand, der Mangel an Personal in der Seelsorge (infolge des Anstiegs der Katholikenzahlen) und der fehlende Religionsunterricht (er wurde seit 19458 systematisch aus den Schulen verdrängt und konnte aufgrund von Personalmangel und aus organisatorischen Gründen nicht ausreichend erteilt werden) machten die seelsorgliche und pädagogische Betreuung der Kinder zu einer vordringlichen Aufgabe. Und so standen diese Erholungszeiten bereits ab 1949 unter einem thematischen Leitsatz. Aus den Erinnerungen einer Hauptakteurin aus dieser Zeit geht hervor: „Neben einer guten Ernährung wurde viel für Bewegung im Freien durch Spiel, Wandern und Baden gesorgt. Täglich fanden religiöse Unterweisungen statt, teilweise wohnten die Kinder der heiligen Messe bei und wuchsen in einer besonderen Weise in das kirchliche Leben der Pfarrei hinein.“9 Vor allem das Hineinwachsen in die Pfarrei bildete den Hauptaspekt der RKW zu dieser Zeit. Als „Beheimatungskonzept“ sollten sie …
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