„Zu ihrem Gedächtnis …“. Elisabeth SchüsslerFiorenzas Beitrag zur Religionsforschung [„In Memory of her …“. Elisabeth Schüssler Fiorenza’s contribution to religious studies] Carlotta Israel
Zusammenfassung
In diesem Artikel werden anhand ausgewählter Werke von Elisabeth Schüssler Fiorenza Einblicke in ihre feministisch-christlich geprägte Bibelforschung gegeben. Unter verschiedenen Wortneuschöpfungen wird insbesondere der von ihr entwickelte Begriff des Kyriarchats dargestellt und in den Zusammenhang mit einerseits feministischer sowie andererseits religionsbezogener Forschung gestellt. Ausgehend davon, dass für Schüssler Fiorenza christliche Religion dafür genutzt wurde und wird, die Herrschaftsmechanismen Einzelner zu untermauern, entwickelte sie die „Hermeneutik des Verdachts“ mit.
Schlagwörter: feministische Theologie, feministische Wissenschaft, Kyriarchat, Hermeneutik des Verdachts, katholische Theologie, Neues Testament, Frauengeschichte, Herrschaft
Summary
This article provides an overview of Elisabeth Schüssler Fiorenza’s feminist Christian biblical research through selected works. Her concept of kyriarchy is particularly highlighted and placed in the context of feminist and religious research. Schüssler Fiorenza’s development of the ‘hermeneutics of suspicion’ is also discussed, which is based on the idea that Christian religion has been and continues to be used to underpin the power mechanisms of individuals.
Keywords: Feminist theology, Feminist Studies, Kyriarchy, Hermeneutics of Suspicion, Catholic theology, New Testament, women’s history, domination
Submitted October 3, 2025, and accepted for publication January 15, 2026 Editor: Dolores Zoé Bertschinger
1 Biografisches
Elisabeth Schüssler Fiorenza wurde 1938 in Rumänien geboren und wuchs nach dem Zweiten Weltkrieg in der Nähe Würzburgs auf.1 1958 begann sie dort ihr Studium der Katholischen Theologie. 1970 wurde sie mit einer neutestamentlichen Arbeit über die Johannesapokalypse mit Fokus auf den Motiven von Herrschaft und Priestertum in Münster promoviert. 1970 emigrierte sie in die USA und war dort zunächst an der Universität Notre-Dame tätig, ab 1984 Talbot-Professorin im Neuen Testament an der Episcopal Divinity School und ist seit 1988 Krister-Stendahl-Professorin an der Divinity School der Harvard University.2 2022 beendete sie ihre Lehraktivitäten und arbeitet seither als Research-Professorin.3 Darüber hinaus wurden ihr zahlreiche Ehrendoktorwürden und Preise verliehen und Festschriften übergeben.4 Des Weiteren liegen biografische Studien zu ihr vor.5 Sie hat sich in vielerlei Vereinigungen engagiert, bspw. in der Catholic Biblical Association (CBA), in der American Academy of Religion (AAR) oder der Society of Biblical Literature (SBL) und in diesen und anderen Kontexten spezifisch die Frage nach Frauen in Bibel, (früher) Kirchengeschichte und Christ*innentum6 insgesamt eingebracht und bearbeitet.7 Diese Themen spiegeln sich auch in ihrem weitreichenden Œuvre wider, das mehrheitlich auf Englisch erschienen ist, wobei einzelne Monografien vorrangig ins Deutsche, aber teilweise auch ins Spanische und andere Sprachen übersetzt worden sind.8
2 Feministische (Bibel-)Wissenschaft „In Memory of her …“ (1983)
„In Memory of her … A Feminist Theological Reconstruction of Christian Origins“ bzw. auf Deutsch „,Zu ihrem Gedächtnis …“‘. Eine feministisch-theologische Rekonstruktion der christliche Ursprünge“9 durfte Elisabeth Schüssler Fiorenza nicht in ihren Lehrveranstaltungen an der Universität Notre Dame einsetzen.10 Das in drei Teile aufgegliederte Werk - der erste Teil entwirft eine kritisch-feministische Hermeneutik, Methode und historische Rekonstruktionsmöglichkeiten; der zweite Teil fokussiert Frauen (Gal 3,28) und Weiblichkeit („Sophiagott“) in der Jesusbewegung und bei Paulus; Teil drei zeigt deren Fortentwicklung in den deuteropaulinischen Schriften und den Evangelien auf - erkundet das Erbe von Frauen am Anfang des Christ*innentums, „um diese frühchristliche Geschichte als Geschichte von Frauen und Männern zurückzugewinnen“.11 Dies schließt ein, dass die Gegensätze „zwischen sogenannter ‚engagierter‘ feministischer Wissenschaft und ‚neutraler‘ androzentrischer akademischer Wissenschaft“12 nicht bestehen bleiben, sondern „daß sie [androzentrische Wissenschaft und Wissensschatz, CI] wirklich menschlich,
d. h. inklusiv werden und alle Menschen einbeziehen können, Männer und Frauen, alle Klassen, Eliten und ‚kleine Leute‘, verschiedene Kulturen und Rassen, Mächtige und Schwache.“13 Damit …
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Der vollständige Artikel umfasst 12 Seiten
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