Strommer, Tierethik im buddhistischen Religionsunterricht in Österreich

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Tierethik im buddhistischen Religionsunterricht in Österreich [Animal ethics in Buddhist religious education in Austria] Anissa Strommer Zusammenfassung Obwohl sich der historische Buddha nicht unmittelbar zu Klimafragen geäußert hat, gibt es in der buddhistischen Lehre doch mehrere relevante Anknüpfungspunkte für eine moderne Umwelt- und Tierethik. Nach einer Diskussion zentraler Konzepte sowie der jeweiligen Belege soll dargestellt werden, wie diese Grundlagen zeitgemäß im buddhistischen Religionsunterricht an österreichischen Schulen umgesetzt werden können, um einen Beitrag zu Bildung für nachhaltige Entwicklung zu leisten. Schlagwörter: Religionspädagogik, Nachhaltigkeit, Buddhismus, Tierethik, Bildung für nachhaltige Entwicklung Summary Although the Buddha did not say much about today’s climate issues, Buddhist teachings provide several opportunities for linking them to environmental or animal ethics. After discussing central concepts and their sources, the present paper will illustrate how these foundations can be implemented in Buddhist Religious Education im Austria in order to contribute to Education for Sustainable Development. Keywords: Religious education, sustainability, Buddhism, animal ethics, education for sustainable development Submitted August 13, 2025, and accepted for publication March 03, 2026 Editor: Maike Maria Domsel 1 Einleitung Ob es überhaupt eine buddhistische Umweltethik gibt, kann durchaus hinterfragt werden: Wenngleich sich der historische Buddha freilich nicht ausdrücklich zu den Klimafragen der heutigen Zeit äußerte, so entdeckt man doch in der buddhistischen Lehre (Skt. Dharma) mehrere relevante Anknüpfungspunkte für ökologische Überlegungen.1 Zum Verhältnis von Menschen und Tieren hingegen finden sich viele eindeutige Belege in verschiedenen buddhistischen Quellen. Dennoch haben die vielfältigen Bemühungen zum Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ aus verschiedenen Gründen noch kaum Eingang in den konfessionellen Religionsunterricht gefunden - dies gilt insbesondere für den buddhistischen Religionsunterricht (BRU), wie er seit 1993 an österreichischen Schulen stattfindet.2 Der vorliegende Artikel möchte einerseits die Grundlagen einer buddhistischen Tierethik darlegen und andererseits thematisieren, wie diese im Sinne von BNE im BRU verankert werden kann. 2 Tierethik in der buddhistischen Lehre Eine buddhistische Umweltethik kann sich auf verschiedene zugrunde liegende Konzepte stützen, etwa auf die Goldene Regel, auf das Prinzip der Gewaltlosigkeit oder auf das Beschreiten eines mittleren Weges zwischen Überfluss und Askese, was einen verantwortungsvollen, ressourcenschonenden Konsumstil nahelegt. Außerdem gibt es mehrere als tugendhaft oder heilsam angesehene Verhaltensweisen, die dazu geeignet sind, die Menschen in einem umweltbewussten und nachhaltigen Lebensstil zu unterstützen. Die vier unermesslichen Geisteshaltungen etwa sind liebende Güte, Mitgefühl, Mitfreude sowie Gleichmut; die sechs Tugenden sind Großzügigkeit, ethisches Verhalten, Geduld, Enthusiasmus, Meditation und Weisheit - ohne Frage alles Eigenschaften, die angesichts der Klimakatastrophe und der anderen Krisen der heutigen Zeit nützlich sein können.3 Wie der US-amerikanische Zen-Lehrer David R. Loy es ausdrückt: „Buddhist teachings do not tell us what to do [Anm.: about the ecological crisis], but they tell us a lot about how to do it.“4 Aus dem Dharma lässt sich sehr schlüssig eine Verflechtung von menschlichen und tierischen Existenzen ableiten, einerseits durch die Lehre von Karma und Wiedergeburt, andererseits durch Interdependenz und Non-Dualismus. Abhängig von den karmischen Bedingungen, die durch die eigenen Handlungen angesammelt wurden, werden alle Wesen - auch Tiere - in einem der sechs Daseinsbereichen wiedergeboren, solange sie im Kreislauf der Wiedergeburten verhaftet sind. Somit wird mehrfach darauf hingewiesen, dass es nicht nur keinen qualitativen Unterschied zwischen Menschen und Tieren gibt, sondern dass Tiere explizit mit den Menschen verwandt sind. Das Sutra von Brahmas Netz etwa sagt: „In our numerous past lives there is no one who has not been our mother or father. Therefore, sentient beings in all six destinies have all been our fathers and mothers. […] All lands and waters are my former body.“5 Unter Einbeziehung des von ihm geprägten Begriffs des Interseins geht der vietnamesische Zen-Mönch Thich Nhat Hanh in einem anderen Kontext sogar so weit zu sagen: „Laut UNICEF sterben jedes Jahr drei Millionen Kinder an Hunger und Unterernährung. Sie sind unsere eigenen Söhne und Töchter. Wenn wir zu viel essen, ist es so, als würden wir sie essen. […] Wir essen unsere Kinder: wir essen unsere Nachkommen. Wir essen die Erde leer.“6 Diese Denkweise beruht auch auf einer Ablehnung von dualistischem Entweder-oder-Denken nach dem Ausschlussprinzip und beruft sich auf die Lehre des bedingten Entstehens. Wenn …
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